Verhalten bei einer Anzeige – Ist schweigen Gold?

In einem vorherigen Artikel hatten wir euch über die Sonder- und Wegerechte informiert.

Wir rekapitulieren kurz: Sonderrechte nach § 35 StVO können bestimmte Organisationen von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung befreien. Wegerechte hingegen gründen auf § 38 StVO und gebieten den anderen Verkehrsteilnehmern bei Verwendung von blauem Blinklicht und Einsatzhorn die Fahrbahn unverzüglich freizumachen.

Dieser Artikel möchte nun auf mögliche Folgen eingehen: Wir stellen uns den Worst Case vor und nehmen an, dass ein betroffener Autofahrer einer Fahrt mit Sonderrechten nun Anzeige gegen uns erstattet hat. Dies kann auf einer Gefährdung des Straßenverkehrs, Nötigung oder fahrlässige Körperverletzung gründen.

Zunächst bleibt hier festzuhalten, dass für eine strafrechtliche Verfolgung nur die Sonderrechte in Betracht kommen – Wegerechte scheiden von vornherein aus. Denn die Wegerechte richten sich nicht gegen den Fahrer des Einsatzfahrzeuges, sondern gegen die übrigen Verkehrsteilnehmer, die ggf. ihre Pflicht verletzt haben könnten die Fahrbahn freizumachen.

Wurde nun also Anzeige gegen euch erstattet, so gilt – wie immer im Einsatz – der Grundsatz, dass Panik hier nicht weiterhilft, sondern besonnen auf die Situation reagiert werden sollte.

(1) Arbeitgeber oder Dienstvorgesetzten informieren

Zunächst sollte der Arbeitgeber oder zumindest der aktuelle Dienstvorgesetzte über die Anzeige informieren. Es reicht, die Information weiterzugeben, dass überhaupt Anzeige gegen mich erstattet wurde. Dass dieser darüber Bescheid weiß, wird später noch einmal von Relevanz.

(2) Informationen sammeln

Alles, was ich mit dem Unfallgeschehen in Verbindung bringen kann, sollte meinerseits dokumentiert werden. Das beginnt direkt an der Unfallstelle und endet ggf. zu Hause, wenn mir noch weitere wichtige Informationen wieder einfallen sollten.

Bitte nicht auf die beliebte Falle hineintappen, dass man sich alles merken könne und daher nichts schriftlich dokumentieren müsse. Dies kann sehr trügerisch sein und meist gehen dann Informationen verloren – mit Ausnahme derer, die wie Sheldon Cooper ein eidetisches Gedächtnis haben!

(3) Schweigen ist Gold!

Knüpfen wir an die Überschrift an, so gilt hier, dass mit so wenigen Personen wie möglich über das Geschehen geredet werden sollte! – Also nicht gegenüber der Polizei äußern, nicht gegenüber dem Staatsanwalt oder sonst irgendwem. Jede Person, die irgendwie davon erfahren haben könnte und der gegenüber sie etwas geäußert haben könnten, kommt als potentieller Zeuge in Betracht – und dies kann sowohl positiv als auch negativ für euch verlaufen. Aus jedem kleinsten Halbsatz, jeder Betonung könnten Schlüsse gezogen werden.

Aus dem Schweigen zum Unfallgeschehen dürfen euch rechtlich keine negativen Konsequenzen gezogen werden („Der sagt bestimmt nichts, weil er etwas zu verbergen hat!“). Denn gerade in solchen Ausnahmesituationen lässt man sich gegebenenfalls zu Äußerungen hinreißen, die man so oder in anderen Situationen nicht getätigt hätte.

(4) Der Gang zum (Fach-)-Anwalt

Darüber hinaus sollte man sich den Gang zum Anwalt nicht ersparen! Das mag sich nach einer unnötig teuren Angelegenheit anhören, jedoch kann nur dieser die Situation richtig einschätzen!

Berücksichtigt dabei immer, dass auch eine Strafanzeige durchaus gewichtige Konsequenzen haben kann: Je nachdem wie schwer der Verstoß des Fahrzeugführers war, so kann dies durchaus zu Geld- oder Freiheitsstrafen auf Bewährung, dem Verlust des Führerscheins und ggf. einem Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis führen.

Daher ist es wichtig sich adäquat und professionell beraten zu lassen und dies kann nur ein Anwalt bewerkstelligen (im besten Fall sogar ein Fachanwalt für Verkehrsrecht). Diesem sind dann so viele Informationen wie möglichst mitzuteilen: Unfallgeschehen, Lagemeldung laut Leitstelle, Witterungsverhältnisse, Verkehrsverhältnisse usw.

Bei der Wahl und der Vermittlung des geeigneten Anwaltes kann ggf. auch der Dienststellenleiter weiterhelfen.

Fazit:

Macht Euch bitte mit den Voraussetzungen der Sonder- und Wegerechte vertraut. Nur wenn ihr deren Voraussetzungen kennt, könnt ihr im Einzelfall eine verhältnismäßige Entscheidung über die Inanspruchnahme von diesen Rechten treffen.

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