Üben oder Lernen ?! Aber wenn, dann richtig!

Im Einsatz fällt mir des Öfteren auf. Aja der Patient hat eine Krankheit oder eine Verletzung. In meiner Ausbildung habe ich gelernt welche genau und was ich dagegen oder zur Linderung machen muss. Einerseits wird stumpf an Texten, wobei auch mal mit Zeichnungen oder wenn es gut läuft mit Bildern gelernt. Du weißt zwar jetzt was es ist, aber im Einsatz hast du nun mal keine gute Zeichnung. Als Beispiel hast du eine Zeichnung von einer offenen Fraktur. Im Einsatz hast du da die offene Fraktur und Blut. Und Bewegung der Knochen. Also real und du bist vielleicht einen kurzen Moment überfordert, weil du das noch nicht gesehen hast. Um diesen Moment sehr kurz zu halten oder „dran“ gewöhnt zu sein, kann man aufn Dienstabend Fallbeispiele machen.

Ein Patient liegt irgendwo an einer umgefallenen Leiter, du kommst in den Raum und fragst was los ist. Die Antwort ist: “von der Leiter gefallen und der Arm tut weh“ und man kann ihn nicht bewegen. Du guckst dir den Arm an, der Leiter des Fallbeispiels sagt, dass du vorsichtig sein sollst, denn er blutet. Du hältst einen Moment inne: „ Moment der soll bluten und ist wahrscheinlich gebrochen.“ Du musst dir das vorstellen können. Da geht es mir vielleicht wie vielen anderen, so dass ich das nicht so gut kann. Oder so, dass ich mir die ganze Zeit versuche das vorzustellen und nicht mehr meine Arbeit machen kann. Wenn der Patientendarsteller dann noch etwas schauspielern kann und ein bisschen flennt oder so, ist das zwar situationsbezogener, aber ohne sichtbare Verletzung halt komisch.

Ein anderes negatives Beispiel sind Übungen mit anderen Gruppen. Wenn man sich innere Verletzungen oder Themen mit Kreislauf und Vergiftungen o.ä. ausdenkt, geht das ja noch. Ein Autounfall oder ähnliche Beispiele sind halt ohne: Blut, Wunden, blaue Flecke usw. unrealistisch. Der Gruppenführer muss durch die Patienten gehen, entweder lesen was auf einem Schild steht oder fragen. Ist für den echten Einsatz halt sehr unpraktisch und nicht förderlich, wenn man dann erst die Wunden sieht und das vorher nicht einschätzen gelernt hat.

Dafür gibt es die realistische Unfall- / Notfalldarstellung. Diverse Gliederungen oder Diözesen haben diese Gruppen. Wie der Name schon sagt, geht es bei denen darum natürlich Spaß zu haben, aber auch andere so zu verunstalten als säßen sie halt echt in einem Auto, welches gerade verunfallt ist. Oder mal den blauen Arm und das blaue Auge. Auch kleine Schnittwunden oder ähnliches werden so bei einer Übung real aussehen. Die Mädels und Jungs helfen uns Einsatzkräften enorm gut ausgedachte Szenarien zum Üben deutlich zu verbessern.

Bei uns vor Ort haben wir leider keine solche Gruppe, aber bei großen Wettbewerben oder größeren Übungen trifft man andere, die diese Gruppen haben oder wie ich nun weiß auch eigenständig damit tätig sind. Innerhalb von wenigen Minuten hat man ein blaues Auge oder eine blutige Schramme. Etwas länger und man blutet aus dem Oberarm oder hat eine offene Fraktur. Mit vorgefertigten Grundlagen geht das schneller, ist dann aber nicht so einzigartig.

Während eines Wettbewerbes habe ich von einem kleinen Team diverse geschminkte Verletzte gesehen. Durch die Bank weg richtig gut . So konnten bei dem Wettbewerb der Gruppenführer schon sehen, dass der Arm auf jeden Fall nicht so aussehen muss oder dass der Kopf blutet oder das Knie kaputt ist.

Auch anderen Helfer sahen ihre zu versorgenden Verletzungen wirklich und konnten mit dem nötigen Ernst ihre Aufgaben erledigen. Für mich hatte das schon mehr was von einer Übung, die natürlich den Ernstfall darstellen soll.

Die Leute, die geschminkt werden, sind ebenso wichtig und unerlässlich. Eine Puppe wiederzubeleben mag für den ein oder anderen nicht real sein, wenn man vorher einen Schauspieler hatte, den man dann für die Puppe tauscht. Allerdings darf sich jeder gerne melden, der selbst den Status notwendige Wiederbelebung benötigt mit Defi usw. spielen möchte!

Wenn man richtig verletzt aussieht, aber lacht und sich, obwohl man als bewusstlos eingestuft war, mit den Sanitätern unterhalten kann, ist da etwas schief gelaufen. Auch wenn man einen gebrochenen Arm hat, sich aber mit beiden Händen abstützt und dann ohne Hilfe sich aufsetzt, ist natürlich keine große Hilfe. Wenn man einen Verletzten spielt, dann sollte man sich in die Lage hineinversetzen und dazu beitragen, dass die anderen dann auch etwas lernen können.

Die Möglichkeit Werte zu ermitteln und dann vom Fallbeispielleiter situativ passend geändert zu bekommen ist ja bekannt. Ebenso bei wertestabilen Patienten, diese Infos auf die Haut zu schreiben ist ebenso effektiv, dass man als Verletzter dann entweder weinen kann oder sich nicht äußern kann. Im Einsatz kann dir der bewusstlose Patient halt auch nicht seinen Blutdruck verraten und sich schon mal auf die Trage legen, während du das Protokoll schreibst.

Schlussendlich sollte man sagen, dass es mir persönlich richtig gefällt, wenn man eine Übung sich ausdenkt, die realistisch von der Story her ist, um was für sich und für den Einsatz zu lernen. Wenn man dann noch Glück hat richtig gute Schminkende zu haben und schauspielerisch tolle Verletztendarsteller mit vielleicht noch Störern hat, finde ich, ist man gut für den Einsatz vorbereitet. Man ist daran gewöhnt, hat zumindest mal an einer möglichen Wunde trainiert und kann dann im Einsatz etwas routinierter arbeiten als andere, die vielleicht erst diesen Moment brauchen.

Außerdem, wie ich von RND Profis gelernt habe, wurde diese Art des Schminkens und üben mit Verletztendarstellern schon in England vor ca. 100 Jahren geübt und bis heute verbessert.

Also in diesem Sinne: Ich freue mich, wenn ich und andere weiterhin einsatznah lernen können und so besser für den Einsatz gewappnet sind.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.