TV und richtig

Für uns ist Helfen ein Hobby in der Freizeit oder der Beruf, den wir ausüben. Dabei erleben wir schon spannende Dinge und haben auch öfters brenzlige Situationen. Nicht jeder Einsatz macht Spaß oder ist vom Erfolg gekrönt. Da es so spannend ist und Rettungsdienste und helfen ein großer Faktor in der heutigen Zeit ist, kommen gespielte Rettungsdienstler auch gerne ins TV. Dort muss man sich allerdings immer wieder klarmachen, dass es sich meist um Schauspieler und um geschriebene Abläufe handelt. Richtige Dokumentationen (nicht scripted reality) einmal ausgenommen. Ein paar Beispiele in diesem Artikel sollen die doch gravierenden Unterschiede aufzeigen.

Beinahe Ertrinken und Wasser spuken

Sei es im Schwimmbad, in einem Fluss, See, Meer oder anderen Behältern mit Wasser, passieren Situationen bei denen der Patient längere Zeit unter Wasser ist. Oftmals ist der Patient vorher schon bewusstlos gewesen, was den Aufenthalt ohne Sauerstoff im Wasser noch kritischer macht. Ohne Sauerstoff im Gehirn, wird der Patient in wenigen Sekunden bewusstlos und trägt nach wenigen Minuten bereits schwere Schädigungen am Gehirn davon. Je länger die Zeit, desto wahrscheinlicher ist, dass diese Schäden irreversibel werden und der Patient stirbt.

Im TV wird der Patient gerettet und die Helfer stellen fest, dass dieser nicht mehr atmet. Durch Wiederbelebung wird ein bisschen auf dem Patienten herumgedrückt (verständlich, da Schauspieler) und beatmet. Nach kurzer oder längerer Zeit, je nach Spannungsbogen, wird der Patient wach, spukt Wasser und sieht ansonsten ziemlich normal aus. Nach ein paar Minuten ist wieder alles gut.

In der Wirklichkeit ist es nicht so leicht. Oftmals werden Patienten vor unserem Eintreffen aus dem Wasser gezogen, dabei läuft Wasser aus dem Mund, welches sich im Mund und Rachenraum angesammelt hatte. Durch Kompression des Brustkorbs werden nicht Liter aus der Lunge rausgedrückt. Die Wiederbelebung ist definitiv richtig, aber der Körper war eine lange Zeit nicht richtig mit Sauerstoff versorgt, sodass in nur sehr wenigen Fällen die Atmung wieder spontan einsetzt. Zumeist muss der Patient beatmet werden und danach in eine Klinik transportiert werden um ihn weiter zu behandeln.

Reanimation und der Patient steht auf

Ähnlich zu der Sauerstoffunterversorgung durch unter Wasser nicht atmen zu können, ist es wenn das Herz nicht mehr schlägt. Durch die Herz Lungen Wiederbelebung kann der vorhandene Sauerstoff im Blut durch Kompression des Brustkorbs und damit des Herzens weiterverteilt werden bzw. durch Beatmung neuer Sauerstoff ins Blut gelangen. Dass das Herz neustartet, kann aber nicht mechanisch erreicht werden, wie es im Film oft dargestellt wird. Einmal draufschlagen und der Patient hat einen Sinusrhytmus und alles sieht wieder gut aus, ist so nicht möglich.

In der Wirklichkeit kann durch Beatmung und Drücken der grundlegende Kreislauf aufrechterhalten werden. Durch Medikamentengabe wie beispielsweise Adrenalin kann das Herz wieder angeregt werden zu schlagen. Sollte es ein Kammerflimmern gegeben haben, kann defibrilliert werden und durch Strom das Herz neugestartet werden. Danach steht der Patient aber definitiv nicht einfach auf oder ist sofort wieder bei Bewusstsein und kann reden, da die Versorgung des Gehirns trotz sofortiger Reanimation eine Sauerstoffunterversorgung hatte.

Ein kleiner Hinweis dazu. Durch richtige Darstellung in Serien und Filmen könnte man der Bevölkerung zeigen, wie es richtig funktioniert und damit die Hemmschwelle senken im Ernstfall selbst wenigstens bei einem Herzstillstand zu drücken und je nach Fähigkeit auch zu beatmen. Damit könnten weitere Patienten besser versorgt werden.

Rennen mit Equipment zum Einsatzort

Es wird alarmiert, jeder lässt alles stehen und liegen möglicherweise auch fallen und rennt zum Wagen. Am Einsatzort angekommen wird alles Material rausgerissen und zum Patienten gerannt.

So sollte es im richtigen Einsatz eher nicht sein. Außer Frage steht, dass man sich beeilt. Allerdings hilft es dem Patienten nichts, wenn man sich in der Eile selbst verletzt oder behindert sodass man nicht zum Patienten kommen kann. Ordentlich schnell Dinge zur Seite stellen, die Schuhe richtig zu machen und sich auf den Weg zum Auto machen ist immer möglich. Am Einsatzort kann man je nach Einsatzstichwort entscheiden was man für den Erstangriff an Material mitnimmt. Bei einem Herzstillstand kann die Vakuummatratze eher weniger hilfreich sein. Der Notfallkoffer/rucksack und Sauerstoff hingegen sind eine gute Grundlage, die mit dem EKG Gerät viel bewirken können. Die Trage kann von einem Helfer dann bei Bedarf auch nachgeholt werden. Mit diesen Teuren Geräten zu laufen und hinzufallen aus welchem Grund auch immer, ist definitiv nicht gut. Zügig gehen und sich dabei schon die Handschuhe anziehen und sich einen Plan im Kopf machen, bringen eher etwas und minimieren das Risiko.

Notruf absetzen (Moin, schickst ´nen RTW dahin?)

Meist nach Actionszenen gibt es Verletzte, die versorgt werden müssen. Im TV reicht oftmals ein „Hallo schickst einen RTW“ und es wird aufgelegt oder „schickst den Notarzt zu mir“, was so nicht hilfreich ist. Ein Notarzt alleine wird nicht zu einem Patienten alarmiert und ein RTW einfach so irgendwohin losschicken ist auch nicht so bis zum Ende gedacht. Je nachdem unter welcher Nummer man den Notruf absetzt oder wie bekannt man in der Leitstelle ist, ist es möglich den Notruf zu verkürzen und den formalen Ablauf der wichtigen W-Fragen (Wer? Wo? Was? Wie viele? Welche Verletzung? Warten ob noch was kommt?) abzuändern.

Wichtig sind alle Fragen und natürlich die Antworten dazu um Fehlplanungen oder Unterversorgungen zu vermeiden. Hier wäre ja auch der Wunsch es realitätsnaher zu gestalten damit der Zuschauer im Ernstfall auch weiß, dass er nicht mit „ich brauche einen RTW“ schnell und zuverlässig Hilfe bekommt.

Zusammengefasst muss man als Helfer mit Fachwissen oftmals sehr stark sein um die groben Unterschiede und Fehler auszuhalten, die dort gezeigt werden.

 

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