Silvester steht vor der Tür

Da ja auch wir Sanitäter privat unterwegs sind, sind wir natürlich im Bekanntenkreis die ersten Ansprechpartner, sobald etwas schiefgelaufen ist. Als Tipps stelle ich Euch einmal die „typischen“ Silvesternotfälle dar, die mir, privat oder dienstlich, schonmal begegnen sind.

Zunächst wollen wir den Klassiker nennen: Böllerunfall. Die meisten Böllerunfälle passieren leider, weil die Dinger nicht so gezündet werden, wie sie sollten. Zum einen sollten diese auf dem Boden gezündet werden, nicht in der Hand, und auch nicht geworfen werden. Raketen sollten in einer vernünftigen Abschusseinrichtung aufgestellt werden, und dann gezündet werden. In der Hand gehalten führen diese beim Start zu starken Verbrennungen. Auch defekte Pyrotechnik stellt eine Gefahr dar. Wenn die Knallkörper nicht gezündet haben, sollten diese nicht wieder aufgehoben werden. Es könnte zu verzögerter Zündung kommen. Allerdings kann es in Einzelfällen auch vorkommen, dass z.B. Bengalische Feuer in der Hand explodieren. Auch vor nicht geprüften oder selbstgebauten Knallkörpern möchte ich warnen. Was dabei rumkommen kann, ist in zahlreichen Videos auf Youtube zu sehen.

Was tun wir also bei diesen Verbrennungen? Zunächst einmal, ist es wichtig, diese möglichst sauber abzudecken. Es sind offene Wunden, die für Keime und Schmutz eine gute Angriffsfläche bieten. Auch wenn die Wunden nicht sauber sind, werden diese nicht gereinigt. In den ersten 5-10 Minuten kann man die Wunde kühlen, allerdings sollte man dabei darauf achten, dass es nicht zu Erfrierungen oder Unterkühlungen kommt. Als Rettungsdienst kühlt man in der Regel nicht mehr, da die Wärmeeinwirkung bereits aufgehört hat und die Schädigung des Gewebes bereits stattgefunden hat. Ein Transport ins Krankenhaus zur Versorgung ist in fast allen Fällen ratsam. Auch bei Beteiligung der Augen oder anderer Körperteile sollte dringend abgedeckt und per RTW ins Krankenhaus transportiert werden.

Als nächstes widmen wir uns den Schnittwunden. Durch Glasscherben, durch andere scharfe Gegenstände kann es zu diesen kommen. Wann reicht ein Pflaster? Bei oberflächlichen Wunden, die nicht allzu sehr bluten, kann man diese mit einem Pflaster versorgen. Ist die Verletzung tief (z.B. bis in die Lederhaut, oder sogar arteriellen Blutungen, ist diese im Krankenhaus zu versorgen.  Ab ca. 1-2 cm kann diese Wunde nicht vernünftig Abheilen, wenn diese nicht geklebt, geklammert oder genäht wird. Auch sollte die Wunde in einer sauberen, hellen Umgebung, wie es in der Notaufnahme ist, desinfiziert werden sowie evtl. verbleibende Fremdkörper entfernt werden.

Ein besonderes Wort möchte ich an diejenigen richten, die über Silvester Dienst haben. Es ist super, dass Ihr diese Arbeit macht.

Solltet ihr das erste Mal ein Rettungsmittel besetzen, möchte ich noch Tipps geben. Zum einen: Fahrt sehr vorausschauend. Je später es wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass es jemand lustig findet, Euch einen Böller vor das Auto zu werfen. Oft sind es Jugendliche, die in Gruppen laufen. Rechnet auch damit, dass Ihr mit Böllern beworfen werdet. Es ist traurig, aber leider ist es mir auch schon passiert.

Meidet engere Straßen, diese sind oft blockiert durch Feuerwerksbatterien oder Raketenstartplätzen.

Fahrt lieber langsamer als sonst. So könnt Ihr noch reagieren, wenn jemand etwas vor Euer Auto wirft oder Ihr über Glas fahrt. Notfalls haltet an. Die Fenster solltet Ihr in jedem Fall geschlossen halten.

Verschließt die Türen während der Fahrt. Es gab schon einige „Trittbrettfahrer“, die versucht haben, sich am Türgriff festzuhalten. Sollte die Tür aufgeschlossen sein, kostet es Zeit, diese wieder zu schließen.

Zuletzt: Achtet auf Euren Eigenschutz. Versucht, Gefahren zu erkennen, zu vermeiden, oder ggf. sogar vorauszuahnen.

Viel Erfolg bei Euren Schichten und guten Rutsch!

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