Sanitätsdienst in der Menge

Ein typisches Einsatzgebiet für den Sanitätsdienst sind Massenveranstaltungen in geschlossenen Räumen. Dazu gehören z.B. Konzerte, Sportveranstaltungen und Messen. Doch wie sieht das typische Einsatzbild hierbei aus?

Die regelmäßigen Einsätze bei diesen Diensten sind: Alkohol- und Drogenabusus, chirugische Notfälle sowie Kreislaufprobleme. Wie begegnen wir diesen am besten?

Zunächst einmal, Drogen- und Alkoholabusus, wofür steht das? Das steht streng genommen für den Missbrauch, den übermäßigen Gebrauch von Alkohol oder Drogen. Diese Patienten sind nicht intoxikiert. Der Unterschied beginnt da, wo wir zwischen verschiedenen Prioritäten unterscheiden: Ist der Patient vital stabil, ist es eher ein Abusus, ist eine vitale Bedrohung nicht auszuschließen, ist es eine Intoxikation. Dabei ist es von Bedeutung, ob der Patient auf Ansprache, auf Berührung oder auf Schmerzreize reagiert. Der Patient ist in der Regel nicht mehr in der Lage, sich selber von Gefahren fernzuhalten, wie z.B. der Unterkühlung, dem Schläfchen auf der Straße oder der Aspiration des eigenen Mageninhalts. Bei einer Intoxikation ist ein Notarzt zu bestellen. Bei einem Abusus „reicht“ eine Unterbringung in einem warmen Zimmer in der Notaufnahme aus.

Kann ein betrunkener Patient selbst entscheiden, ob er nach Hause gehen kann? Nun, da gibt es einige Sachen zu klären. Zum einen, wie weit ist der Weg nach Hause? 6 km über Landstraße zu gehen ist keine gute Idee mit 1,6 Promille. Kann der Patient gehen, oder fällt er sofort wieder hin? Dieses sollte man sich vom Patienten zeigen lassen. Auch wenn der selbe Patient zum 2. oder sogar 3. Mal unsere Hilfe, und sei es nur unsere wunderbare Fähigkeit, Menschen zu wecken, die der Laie nicht geweckt bekommt, benötigt, ist meiner Meinung nach hier der Schlussstrich zu ziehen. Denn wer es schafft, zum 3. Mal an einem belebten Ort einzuschlafen, der ist definitiv nicht in der Lage, nach Hause zu gehen. Auch bei Minderjährigen ist der Alkoholkonsum anders zu beurteilen. Den Weg nach Hause zu gehen, gestatte ich einem 17-jährigen in der Regel nicht. Ich bestehe dabei auf die Eltern, die den Sprössling abholen, oder eben das Krankenhaus.

Kommen wir nun zu den chirugischen Notfällen. Diese bestehen entweder aus stumpfen Traumata, sei es der Faustschlag, sei es der Ellenbogen in der Menge, sei es das Bierglas am Kopf, oder aus Unfällen mit Scherben. Die Patienten sind nach ihrem Bild zu behandeln und in ein Krankenhaus zu befördern, wo sie auf innere Verletzungen untersucht werden können.

Zuletzt widmen wir uns den Kreislaufproblemen. Auch wenn es jetzt ein wenig Klischeehaft wirkt, in den meisten Fällen sind es junge Frauen, die recht schlank sind. Das kommt daher, dass diese sowieso einen eher niedrigeren Blutdruck haben (90/60 mmHg kann Normalzustand sein). Dazu kommen nun aber Menschenmenge, Stress, Hitze, Erschöpfung, Alkohol, wenig gegessen und getrunken über den Tag. Oft ist die Veranstaltung am Abend, am Morgen war aber die letzte Mahlzeit, die auch eher dürftig ausgefallen ist. Bei Kreislaufproblemen müssen wir dennoch an alles denken. Das Sampler-Schema muss zwingend abgefragt werden. Die Vitalwerte sind zu messen. Auch nach einer Schwangerschaft oder der Möglichkeit sollte gefragt werden. Aber auch die Menstruation kann Kreislaufprobleme verursachen. Als kleinen Tipp hier am Rande, es sollte immer eine Freundin dabei sein, wenn ihr mit jungen Patientinnen im RTW oder KTW seid. Zur Not sollte aber, falls anwesend, zumindest eine Helferin dabei sein. Die weitere Behandlung sieht oft dann nur noch einen Becher Wasser zum Trinken, die Pause und den Ratschlag, sich eher außerhalb aufzuhalten, vor.

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