Notruf = Notruf oder manchmal vielleicht doch nicht?

Wie selbstverständlich sprechen wir in der rettungsdienstlichen- und sanitätsdienstlichen Praxis vom Vorliegen eines „Notfalls“ – doch was ist überhaupt genau unter einem Notfall zu verstehen? – Wo beginnt ein (medizinischer) Notfall und wann handelt es sich vielleicht um gar keinen Einsatz für den Rettungs- oder Sanitätsdienst? – All diesen Fragen will der vorliegende Artikel nachgehen.

Zunächst wollen wir uns der Frage nach der Definition eines Notfalls dadurch nähern, dass wir uns anschauen, wofür der dafür gedachte Notruf gedacht ist. Der Bundesgerichtshof hat vor geraumer Zeit entschieden, dass der Notruf nur dann getätigt werden darf, wenn ohne weitere Erläuterungen des Anrufers auf das Vorhandensein einer Notlage geschlossen werden kann. – Ich betätige also den Notruf und allein aus der Benutzung geht hervor, dass es sich um eine Notlage handelt, die zwingend medizinische Hilfe notwendig macht.

Aber hat es überhaupt Konsequenzen, wenn jemand die Notrufnummer wählt und es sich nur um eine Bagatelle handeln sollte? – Beispielsweise die Jugendlichen, die einen über den Durst getrunken haben, und nun von einem Rettungswagen nach Hause gebracht werden wollen.

Zum einen können strafrechtliche Folgen aus der unnötigen Inanspruchnahme resultieren: Nach § 145 Absatz 1 StGB macht sich derjenige strafbar, der den Anschein erweckt, es bestehe ein Notfall und Hilfe werde dringend benötigt. Auf der anderen Seite kommen auf die betreffende Person beachtliche finanzielle Folgen zu. Denn die Kosten der Fahrten mit einem RTW oder KTW werden nur in bestimmten gesetzlich geregelten Fällen von der Krankenkasse übernommen und ansonsten dem Anfordernden selbst in Rechnung gestellt.

Trotz dieser Folgen merken auch wir in unserer täglichen Praxis immer wieder, dass Rettungsmittel unnötig in Anspruch genommen werden. Wie kann dem Problem entgegengetreten werden?

Grundsätzlich wird selbst in den meisten Erste-Hilfe Kursen gelehrt, dass die Schwelle für das Alarmieren eines Rettungswagen gering gehalten werden sollte. – Dies ist auch richtig und sinnvoll so, jedoch obliegt dem Leitstellendisponenten die Entscheidung, welches Rettungsmittel notwendig ist und ob es sich überhaupt um einen Notfall handelt. Eine Alternative wäre der Verweis auf alternative Dienste (beispielsweise 116 117 oder 19222). Bei ersterem bekommt man Kontakt zu örtlichen Ärzten und bei letzterem kann ein KTW angefordert werden.

Dem Leistellenmitarbeiter müssen daher so viele Informationen wie möglich mitgegeben werden, damit er sich ein realistisches Bild von der Situation verschaffen kann und entscheiden kann, ob ein Notfall vorliegt oder in dieser Situation gerade nicht.

Behaart der Anrufer trotzdem auf der Anfahrt eines bestimmten Rettungsmittels so wird ihm von dem Disponenten deutlich zu machen sein, dass dies mit erheblichen Kosten und weiteren Folgen verbunden sein wird. Als späterer Beweis, dass diese Hinweise mitgeteilt wurden, werden die Telefonate in der Leitstelle aufgezeichnet – auch dies soll den Ausnahmecharakter der Verständigung eines Rettungsmittels deutlich machen.

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