Notfallkoffer in der Tasche – Lohnt sich das?

Dort wo man viele Sanitäter trifft, trifft man auch viele Meinungen zu diesem Thema. Scherzhafterweise kann man fast behaupten, je höher die Qualifikation, desto weniger führt derjenige selber mit. Dies trifft nicht ganz zu. Ich als Rettungsassistent habe auch einige Dinge in meiner Dienstkleidung, die über die Beschaffung von meinem Arbeitgeber / meiner Dienststelle im Ehrenamt hinausgehen. Diese einfach aufzulisten, und fertig ist der Artikel, ist mir aber zu bestimmend. Meine Meinung dazu: Jeder sollte sich grundsätzlich selber überlegen, wofür man bereit ist, selber Geld auszugeben, auch auf die Gefahr hin, dass man es nie brauchen wird. Die ersten Dinge sind schnell gekauft, meist sind es Taschenlampen und ein kleines Holster mit ein wenig Material.

Mein Mobiltelefon ist in einer Hülle geschützt. Ich bin kein Freund von Versicherungen, wo ich mein Mobiltelefon für die Hälfte des Kaufpreises (über die Laufzeit gesehen) versichern soll. Ich habe mein erstes Smartphone 3 1/2 Jahre vor Schäden aller Art schützen können, mit einem Bumper und einer gepolsterten Tasche. Das aktuelle Telefon ist in meiner Freizeit in einer Hülle, in der Dienstzeit in einem guten, nach amerikanischem Militärstandard getesteten Case der Marke Urban Armor Gear. Was aussieht wie das Steuerungsgerät der neuesten Predator-Drohnengeneration, schützt doch für rund 35€ das Smartphone zuverlässig vor Stößen und Kratzern.

In meinen Jackentaschen befinden sich auch Schnittschutzhandschuhe der Marke Speedsafe N5, schon mit Einmalhandschuhen überzogen. Diese Handschuhe kann ich so bei Verkehrsunfällen anziehen. Durch sie hindurch kann man den Puls fühlen und auch recht gut Arbeiten, ist aber vor Schnitten durch Scherben und scharfen Metallkanten geschützt. Sobald man im sicheren Bereich ist, kann man die Handschuhe wieder ausziehen.

In der nächsten Tasche befinden sich ein Taschenmesser und eine Packung Gehörschutzstöpsel.

Eine Pflastermappe erspart das Suchspiel: Such das Pflaster im KTW. Ein kleiner Block ist oft auch Hilfreich, um Notizen aufzuschreiben, ein Permanentmarker erlaubt das Schreiben auf Folie (Klarsichtfolie) oder auf Spritzen (z.B. um den Inhalt zu markieren).

Meine rechte obere Jackentasche ist meine Diagnostiktasche. Hier befinden sich ein Stethoskop und eine Diagnostikleuchte (auch Pupillenleuchte genannt). Die Diagnostikleuchte ist oft im Koffer oder Rucksack so versteckt, dass man lange sucht, oder die Batterien sind oft leer. Um schnell auf diese zurückgreifen zu können, ohne erst einmal meinen Koffer komplett auszupacken, habe ich mir eine eigene besorgt. Das Stethoskop habe ich aus zwei Gründen: Zum einen auch für den schnellen Zugriff, und andererseits aus hygienischen Gründen. Wer schon einmal in das Gemeinschaftssammelbecken für Ohrenschmalz einer ganzen Dienststelle in Form der Oliven geblickt hat, und das Übel über sich ergehen lassen musste, keine Zeit zu haben, diese erst noch zu desinfizieren und zu reinigen, diesem Gemeinschaftsschmalz also noch etwas hinzufügen musste, schickt entweder immer seinen Kollegen ab diesem Zeitpunkt vor, oder besorgt sich sein eigenes. Hier muss es kein Littmann sein, es tut in der Regel auch ein günstiges Modell. Wer sein Stethoskop nicht in der Jackentasche tragen will, kann dies auch am Gürtel tragen.

Als Gürtel verwende ich den Gürtel von der Firma PAX mit Untergürtel. Der Übergürtel ist mit Klett an dem Untergürtel befestigt. Das praktische daran ist, dass man den Übergürtel einfach und schnell ablegen kann. Auf dem Sofa der Rettungswache liegt es sich deutlich bequemer ohne. Die Kosten sind nicht sehr viel höher als ein normaler Gürtel, jedoch ist dieser stufenlos verstellbar in der Weite und ist auch jenseits der 120cm erhältlich. Man sollte lieber eine Größe zu groß nehmen, man kann ihn einfach enger zukletten, aber dann hat man wenigstens Platz für Expansion. An meinem Gürtel sind nur 2 Dinge befestigt: eine Taschenlampe und eine Tasche für den Melder. Letzteren nutze ich, weil ich ihn mal geschenkt bekommen habe, und weil ich die Taschen auf der Wache nicht so gerne mag, da der Melder sich darin festkrallt, und ich ihn kaum raus bekomme. Eine spezielle Tasche für unser genutztes Modell lohnt sich nicht, da wir in den nächsten 1-2 Jahren neue bekommen (Umstellung auf POGSAG), und dadurch sich ein anderes Modell als jetzt etablieren wird.

Als Portmonee bietet sich ein flaches an, in das man das wichtigste verstaut: Führerschein (auch Personenbeförderungsschein, falls vorhanden) und Personalausweis sollte jeder dabei haben, etwas Geld für Verpflegung und das Eis zwischendurch, die Krankenversicherungskarte ist hilfreich, falls es zu einer Selbstverletzung kommt. Eine Bankkarte muss man nicht mitnehmen, kann man aber. Nicht zu empfehlen ist die MasterCard in Platin, unlimitierter Kreditrahmen 😉 . Ich benutze ein Modell von Eastpak, die sind recht flach und bieten für die Karten genug Plätze. Einzig ein alter Personalausweis muss bei den neueren Modellen noch ins Geldscheinfach, wird aber nicht geknickt, wenn man ihn ganz in die Ecke steckt. Der Fahrzeugschein daneben knickt dadurch ebenfalls nicht.

Des weiteren habe ich noch einen Ohrhörer für das Handfunkgerät. In Menschenmengen, auf Konzerten, dem Karnevalsumzug, oder Festivals kann man so den Funkverkehr hören, ohne dass das Gerät einen selber sowie alle drum herum anschreit. Ich benutze einen Schallschlauchhörer. Dieser hält wie ein In-Ear-Hörer im Ohr, die Oliven sowie der gesamte Schallschlauch sind tauschbar. So kann man bei Beschädigung einfach Teile austauschen. Andere Olivengrößen sind erhältlich. Außerdem ist der Schlauch wie eine Feder geringelt, sodass kein nerviges Kabel die Bewegung des Kopfes einschränkt. Weißer Schallschlauch ist auch unauffälliger als ein schwarzes Kabel und sieht nach Arbeit aus, während der womöglich verzierte Freizeitkopfhörer eher so aussieht, als dass der Sani nebenbei Musik hört (Was bei langweiligen Diensten jetzt auch nicht davon abhält, über den Ohrhörer Musik zu hören 😉 ). Bei der Wahl des Hörers sollte man sich auch auf die Auswahl des Funkgerätes beziehen. Hat man nur ein Modell, kann man besser einen Ohrhörer speziell für das Modell kaufen, hat man mehrere Modelle mit unterschiedlichem Anschluss, kann man sich besser an einen Handelsüblichen 3,5mm Klinkenanschluss halten, diesen Anschluss haben die meisten Geräte, oft am Handmikrofon.

Was sollte man sich sonst selber Beschaffen? Das werdet ihr selber merken. Ihr werdet feststellen, dass nicht alles so Reibungslos klappt wie es sollte. Ob und in welchem Umfang man mit seinem eigenen Geld Abhilfe schafft, sollte gut überlegt sein. Im Zweifel lieber nach anderen Lösungen suchen, als sich für teures Geld Materialien kaufen, die man nur einmal im Jahr anwendet, oder gar nicht mal anwenden darf.

Es kann aber auch hilfreich sein, sich eine kleine Tasche zu packen mit wichtigem Zeugs für den Sanitätsdienst, die man dann im KFZ lässt. Mein Vorschlag wäre hier: 1 kl. Flasche Wasser, ein paar Müsli-Riegel bzw. etwas, was man essen kann, auch wenn es warm oder kalt ist, Taschentücher, evtl. ein kleines Notfallmanual, eine Powerbank, ein Kartenspiel (Skat-Spiel), etwas zum Lesen (siehe hier), Kaugummi für das Frischegefühl im Mund nach der Mahlzeit, Feuchte Brillenputztücher (Desinfektionsmittel hinterlässt Spuren).

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