Notfall im Zug

Es gibt zahlreiche Fortbewegungsmittel. Eine davon ist es Zug zu fahren. Laut den Infos der Bahn steigen die Mitfahrer bzw. Fahrten stetig. D.h. aber auch, dass immer mehr Menschen mitfahren, die potenziell unsere Patienten werden können und wie in diesem Fall geschehen.
Man steht frierend im Bahnhof und wartet auf seinen Zug, dieser hat aber etwas Verspätung. In der Nähe hat ein älterer Mann schon Panik und ist ziemlich aufgelöst. Er komme zu spät und hat kein Handy, kann seine Familie nicht erreichen und findet seinen Wagen nicht. Die Mitarbeiter der Bahn zeigen ihm wo sein Wagen halten sollte und gehen weiter. Der Zug kommt und später nach den ersten Fahrtminuten gibt es eine Durchsage: „ Sehr geehrte Damen und Herren wir bitten um ihre Aufmerksamkeit. Sollte unter Ihnen ein Arzt sein, bitten wir ihn in Wagen 22 zu kommen.“ Die Ansage wird wiederholt, damit es auch möglichst viele mitbekommen. Entweder schläft der Arzt oder es ist keiner on Board. Die Ansage wird 3 min später wiederholt, bloß diesmal mit dem Hinweis, dass nach medizinischen Personal gesucht wird. Man macht sich also auf den Weg. In dem Wagen angekommen, sieht man sofort, dass etwas los ist, da viele Fahrgäste stehen, statt sitzen und Handys in der Hand halten. Zwei Zugbegleiter stehen vor einem Vierertisch im Gang, dahinter sieht man jemanden liegen. Nach der Begrüßung und der Vorstellung wird man informiert, dass der alte Herr zusammen gebrochen ist. Näheres konnte man nicht genau sagen, denn man hatte ja Handy, Tablet und Musik etc. im Augenmerk. Es ist der ältere Mann vom Bahnsteig. Auf Ansprache und ein bisschen rütteln an der Schulter wird er wach. Er ist kaltschweißig und sieht ziemlich blass aus. Was passiert ist, kann er nicht sagen. Ihm sei aber schwindelig und er fühle sich nicht gut. Auf die Frage bei der Zugbegleiterin, ob schon ein RTW für den nächsten Bahnhof bestellt sei, ist die Antwort erschreckend, denn es herrscht völlige Unverständnis, denn der Mann sei ja jetzt wieder ok. Man unterdrückt seine Wut und erklärt, dass dieser Mann bewusstlos war und er hier auf dem Boden liege und es nicht gut sei. Nach einer Diskussion wird über die Fahrtleitung ein RTW und nach meinem Wunsch ein NEF zum nächsten Bahnhof alarmiert. Stichwort bewusstlose Person. Man versucht sich wieder um den Patienten zu kümmern. Eine ältere Dame hat während der Diskussion ihre Jacke unter den Kopf des Patienten gelegt und versucht ihn zu beruhigen. Nach dem ABCDE Schema wird der Patient jetzt untersucht. Atmung und die Atemwege sind frei und damit ok. Der Puls ist schnell bei 100 und gefühlt unregelmäßig. Er weiß auf die Frage, wo wir sind zu antworten und auch den Tag konnte er nennen. Weitere Schmerzen oder Verletzungen habe er keine, er traut sich aber nicht aufzustehen. Die ältere Dame kann zum SAMPLE noch dazu steuern, dass er so 10 min bewusstlos oder auf jeden Fall da so lag. Trotz der frühen Stunde hat er was zu sich genommen und nimmt sonst keine Medikamente und hat nur ein neues Hüftgelenk. Neben ihm sitzend, wird durch die Zugbegleiterin mitgeteilt, dass uns ein Krankenwagen am Bahnhof erwartet. Etwas lauter damit es die anderen Fahrgäste, die sich weiterhin wie im Zoo praktisch die Nasen an einer imaginären Glasscheibe plattdrücken, werden noch einmal die grundlegenden Infos des Rettungsdienstes und der Fahrzeuge erläutert.
Der Zug fährt in den Bahnhof ein und ein Fahrgast meckert etwas zu laut, dass man den Patienten doch jetzt schon mal zur Tür bringen könnte, damit er keine Verspätung bekommt. Die ältere Dame, die als einzige noch unterstützend dabei ist, erklärt laut, dass er keine Ahnung hat und was er sich dabei denken würde. Man bittet die Zugbegleiterin die Retter hierher zu holen. Der Notarzt und ein Notfallsanitäter kommen rein und stellen sich vor. Nach der Erklärung was passiert ist und die erhobenen Vitalwerte bekannt gegeben wurden, erklärt der Notarzt dem Patienten, dass er ihn mit in den RTW nehmen möchte um zu schauen, was er hat und wie man ihm helfen könnte. Er ist einsichtig, trotz dessen, dass er ja zu seiner Familie möchte. Der zweite Mann der RTW Besatzung kommt nach Anweisung mit dem Tragetuch, da der Patient nicht gehfähig ist. Zusammen gelingt es den Patienten aus dem ICE zu bekommen und ihn auf die Trage zu legen. Mit dem Fahrstuhl geht es runter vom Gleis und die paar Meter aus dem Bahnhof raus zum wartenden RTW. Während der eine Sani den Patienten nochmal checkt und die Vitalwerte fachgerecht ermittelt, bedankt sich der Patient und der Notarzt für die kompetente Hilfe. Wenige Minuten später fährt der RTW ab.
Hinweis: Dieser Artikel wurde aus dem Gedächtnis geschrieben, ist ein Erlebnisbericht und keine fachliche Anleitung.

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