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Dez 11

„Nicht Wiederbeleben“-Tattoo – eine wirksame Patientenverfügung?

Wir möchten Euch heute über einen etwas kuriosen Fall berichten, der sich so in den USA zugetragen hat:

Die Sanitäter und Ärzte werden zunächst gestaunt haben, als sie das „Do not resuscitate“ (deutsch: Nicht Wiederbeleben) -Tattoo auf dem Brustkorb des Patienten erblickt haben. Die Ärzte erkennen aber schnell, dass der Patient an sich so schnell wie möglich wiederbelebt werden muss.

Die Krankengeschichte und das akute Krankheitsbild gaben Anlass dazu: Der Patient ist alkoholisiert und hat Vorhofflimmern, an Vorerkrankungen sind außerdem ein chronisches Lungenleiden und Diabetes bekannt.

Was aber nun tun? Sind die Ärzte an ein Tattoo auf der Brust des Patienten gebunden? Stellt das Tattoo eine Patientenverfügung dar und bindet sie die Ärzte wie eine solche? Oder begehen die Ärzte eine Unterlassene Hilfeleistung, wenn sie keine Maßnahmen ergreifen.

Die Zeit rennt gegen die behandelnden Ärzte. Eine Entscheidung muss nun schnell getroffen werden. – Sie entscheiden sich aber zunächst für lebensverlängernde Maßnahmen.

Die behandelnden Ärzte müssten dann trotzdem alle Maßnahmen ergreifen, um den Patienten zu stabilisieren, sonst drohe eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung. – Denn die behandelnden Ärzte können ohne eine Äußerung des Patienten gar nicht einschätzen, ob die Erklärung überhaupt nicht aktuell ist oder ob der Wille des Patienten mittlerweile ein anderer ist.

Die Ärzte in unserem Fall sind aber weiterhin unsicher und konsultieren nun die Ethik- und Rechtsexperten der Klinik. Diese vertreten die Auffassung, die Tätowierung sei präzise formuliert und empfehlen den Ärzten, sich daran zu halten. Inzwischen hat der Sozialarbeiter der Klinik die schriftliche Patientenverfügung ausfindig gemacht. Darin hat sich der Patient ebenfalls gegen lebensverlängernde Maßnahmen entschieden.

Als sich der Zustand des Patienten in Miami weiter verschlechtert, verzichten die Ärzte auf eine künstliche Beatmung – für sie steht die Entscheidung aufgrund der Empfehlung der Ethikexperten und der Patientenverfügung nun nicht mehr infrage. Der Mann stirbt einen Tag, nachdem er ins Krankenhaus eingeliefert worden ist.

Das Fazit der Mediziner: „Das Tattoo ‚Nicht Wiederbeleben‘ hat mehr Verwirrung gestiftet als Klarheit geschaffen.“

1 Kommentar

  1. Dr. Wilhelm Margula

    Liebe Sanitäter, Bitte seht Euch alle dieses Video an: https://www.youtube.com/watch?v=UJQr0sB24aE
    Dass besagtes Tattoo mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen hat, können auch nur Ärzte sagen, die nicht bereit sind, den Patientenwillen als Behandlungs- und als Handlungsgrenze zu akzeptieren.

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