Neues vom üben

Vor dem Notfall ist es gut, wenn man die Chance hat auch mal zu üben. Man kann fachlich und theoretisch noch so gut sein und trotzdem ist es dann doch schwer ein Pflaster zu kleben ohne selbst unter der Klebefläche hängen zu bleiben. Das ist jetzt natürlich sehr überspitzt dargestellt. Trotzdem helfen Übungen eigentlich immer. Besonders, wenn diese gut vorbereitet und geplant sind, kann man sehr viel mitnehmen. Dazu gibt es jedes Jahr bei uns eine groß angelegte Lage, die zu bewältigen ist. An dieser Übung ist besonders, dass die Helfer von einer Gruppe von Notärzten geleitet werden, was doch für eine Masse an medizinischen Wissen steht.

Zur Lage an sich. Man muss sich ja auch immer etwas neues einfallen lassen, was es in der Realität geben kann oder es in der Art schon gab. Sei es ein normaler Verkehrsunfall oder doch der Zug, der einen Bus rammt oder halt eine Explosion im Schwimmbad. Abwegige Szenarien sind an sich ja auch nicht falsch und besonders, wenn dann doch in einer Metzgerei eine Besuchergruppe im Rauch eines Brandes feststeckt, freut es die Einsatzkräfte sowas schon geübt zu haben.

Etwas muss man sich im Vorfeld einer Übung aber auch klarmachen. So gut und sicher man sich fühlen kann und so unmotiviert man vielleicht auch sein kann, sollte man die Übung ernst nehmen. Es hilft weder den Planern, den Mimen oder den anderen Einsatzkräften, wenn man etwas auf die leichte Schulter nimmt und herunterspielt. Auch im Hochsommer gehört es dazu die PSA vollständig zu tragen. Also insbesondere den Helm aufsetzen, die Einsatzjacke geschlossen halten und mit Handschuhen hantieren. Bei einer Übung mag das doof aussehen und unnötige Fluten von Schweiß auslösen, aber im Einsatz kann man diese Sachen auch nicht weglassen. Zumal man sich während einer Übung prüfen kann, wann man bei den Temperaturen und der Belastung sich daneben legen kann.

Auf der anderen Seite der Behandlungssituation müssen die Mimen natürlich ebenfalls vernünftig an die Sache rangehen. Dazu gehört die gute Darstellung der Situation einer in dem Umfeld befindlichen Patienten. Also darf es auch mal lauter werden oder man reagiert nicht mehr auf Ansprache. Besonders wesentlich ist es, wenn der Knochen im Bein rausschaut, dass man nicht mehr aus der Gefahrenstelle rausgehen kann und sich entspannt auf die Trage legt. Damit dieser Knochen auch rausschaut bedarf es einiger Vorbereitung. Im Vorfeld einer Übung wie auch direkt vor ihr muss gearbeitet werden. Dort müssen aus Wachs, Latex und jeder Menge Farbe: Wunden und ähnliche Dinge gestaltet und platziert werden. Natürlich sehen mit mehr Erfahrung und großer Motivation diese Verletzungen schon fast real aus. Damit die Wunden auch wirklich echt aussehen, wird kurz vor der Übung nochmal auf Kunstblut zurückgegriffen und somit laufen ganze Blutströme aus Armen, Beinen und aus dem Mund. Nach der Übung ist es lebenswichtig die Kunstwerke zu entfernen. Ansonsten ist es ungeschickt mit einem offenen Gehirn durch einen Laden zu spazieren und für einen unnötigen Notruf, womöglich Verletzungen anderer Passanten und eine Anzeige in Kauf zu nehmen.

Bei dieser Lage gab es eine Explosion im Keller oder Wartungsraum eines Schwimmbades. Es gibt viele Verletzte die sich um die Explosionsstelle befinden und dann im normalen Betrieb des Schwimmbades sich befunden haben. Es gibt von Verletzungen durch Gas bis hin zu chirurgischen Verletzungen durch Trümmerteile oder dem harten Boden, die verschiedensten Verletzungen. Die ersteintreffenden Kräfte sind Einheiten der Feuerwehr, die neben der Erkundung der Lage auch die Patientenablage und die Rettung der Verletzten vornehmen. Nach und nach treffen Rettungskräfte und Notärzte ein, die die Patientenablage übernehmen. Natürlich weiterhin unterstützt durch ausgebildete Feuerwehrkräfte. Da wo es geht werden Patienten im Szenario gesichert oder wenn diese schon auf der Patientenablage liegen dort. Im Gelände wird erst nach schwer und nicht schwerverletzt entschieden an der Patientenablage und im später aufgebauten Sichtungszelt wird triagiert. So können die Verletzten entsprechend versorgt werden. Da es mehr Schwerverletzte gibt als es fahrende Rettungsmitteln gibt, wird im entsprechenden roten Zelt die Versorgung dieser Patienten eine hohe Prio eingeräumt. Größtenteils Unverletzte werden aus der Lage geführt und von Einsatzkräften und den eintreffenden Notfallseelsorgern betreut. Bei dem sehr guten und warmen Wetter muss natürlich die Einsatzleitung die eigenen Kräfte, die unter Pressluft oder in voller PSA arbeiten extrem belastet werden, im Blick halten. So werden die Kräfte regelmäßig getauscht und zirkulieren so in ihren Aufgabenbereichen.

Am Übungsende werden die Erfahrungen ausgetauscht und den Einsatzkräften als konstruktive Feedback weitergegeben um die nächsten Einsätze zu verbessern oder die Dienstabende zu nutzen um Schwächen auszubügeln.

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