Meine erste RTW-Schicht

Es ist soweit, meine erste Rettungsdienstschicht steht an. Die Vorbereitungen laufen am Tag vorher an. Meine Einsatzstiefel und zur Not, falls keine Klamotten aus dem Pool passen, meine Einsatzklammotten. Des Weiteren was zu trinken und natürlich etwas zu essen. Zeitig im Bett und dann auch schon wieder aufstehen. Gegen 6:40 komme ich mit meinen Sachen an der Wache an. Die Schicht beginnt offiziell um 7. Die beiden Rettungssassistenten mit denen ich heute fahren darf kommen etwas später. Am Anfang bekomme ich meine Einsatzhose und ein Poloshirt. Nach dem Frühstück, der ausführlichen Zeitungsrunde und Tassen Kaffee geht es in die Fahrzeughalle.  Davor bekomme ich noch einen Melder, der an meinen Gürtel kommt.

Mir wird der RTW erklärt. Dieses Modell ist halt schon größer und besser ausgestattet als der SEG RTW. Die grundlegenden Aufgaben, die ich im Einsatz machen könnte, merk ich mir natürlich besonders. Alles ist aber nach einmal zeigen nicht einfach so zu merken. Inzwischen ist es beinahe 9 Uhr und die Melder gehen los. Der erste Einsatz des Tages, aber mein erster richtiger Einsatz. Das Einsatzstichwort bekomme ich nicht ganz mit, höre aber NEF und die Straße heraus. Wir steigen ein. Ich sitze hinten und versuche vorne durch die kleine Öffnung oder durch das kleine Seitenfenster rauszusehen, dabei meine Handschuhe schon mal anzuziehen und nicht halb im Anschnallgurt zu hängen. Angekommen nehme ich den Koffer und ebenfalls das EKG. So bepackt geht es zur Patientin. Bevor das NEF eintrifft, haben wir schon erste Basismaßnahmen getroffen, die Medikamente der Patientin gesucht und messen den BZ. Die Notärztin übernimmt ab da an. Der Verdacht auf Schlaganfall bekräftigt sich und wir bringen die Ausrüstung zum RTW. Zurückkommen wir mit der Trage. Diese stellen wir draußen passig hin. Mit dem Tragetuch ist es einfacher die Patientin durch die Wohnung und das Treppenhaus schonend zu transportieren. Im RTW wird ein Zugang gelegt um Blut anzunehmen und eine Infusion anzulegen. Kurz darauf fahren wir zur Klinik. Dort angekommen werden wir gleich weiter zum CT geschickt und dort übergeben wir die Patientin. Zurück am Fahrzeug wird alles desinfiziert und die Trage neu bezogen. Der Umgang mit dieser elektrischen und nicht der mir bekannten mechanischen Trage wird mir dann beigebracht. Definitiv eine Erleichterung, auch wenn es ein bisschen umdenken erfordert.

Es ist zwar noch früh, trotzdem möchten wir die Chance nutzen unsere Mittagspläne zu konkretisieren. Kaum haben wir eingekauft, gehen die Melder wieder. Wir werden zu einem Transport aus einer Praxis gerufen. Das Geschick mit der Trage darf ich unter Beweis stellen und zusammen bekommen wir die Trage doch durch das Treppenhaus mit Fahrstuhl in die Praxis. Dort übernehmen wir den älteren Patienten, der sich selbst auf die Trage lege kann und kommen so schnell in den RTW. Ich steige diesmal vorne ein und kann der Leistelle unseren Status bekannt geben. Genauso wie an der Klinik sende ich den Status, dass wir da sind. Wieder geht es schnell, dass wir einen Raum zugewiesen bekommen und auch diesen Patienten können wir schnell übergeben. Das wieder einsatzbereit machen geht um einiges schneller, da ich jetzt ja schon geübt bin.

Auf der Wache wandern unsere doch warm geworden Einkäufe in die Kühlung. Es ist Mittagszeit, es wird warm und wir verschanzen uns vor dem Sommerlicht in der Wache. Aus dem Lager holen wir ein Fallbeispiel um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Da die Fahrten eben auf neurologischen Gebiet anzusiedeln sind, geht es in der Übung um einen Krampfanfall, der sich später als Schlaganfall darstellt. Einiges weiß ich noch aus dem Lehrgang und die anderen Dinge und Fragen beantworten mir die beiden sehr gut. Auch im Einsatz oder auf der Rückfahrt oder beim einsatzbereit machen lerne ich viel Neues dazu. Die Mittagszeit zieht sich und es wird gegessen. Auf dem nicht ganz HD TV-Gerät schauen wir ein nicht wirklich interessantes Fußballspiel. Es ist früher Nachmittag als wir uns an die frische Luft begeben. In der Zwischenzeit hat sich mein Melder verabschiedet. Der Akku ist leer. Um uns weiter zu beschäftigen müssen der Fußball und unsere elektronischen Geräte herhalten. Der Dienst geht bis 19 Uhr und ich sehe meine Statistik auf der ersten Schicht als sehr gut für die Menschheit, aber schlecht für meine Erlebnisse an.

Zwei Stunden vor Schichtende gehen die Melder aber wieder. Diesmal eine gestürzte Person. Mit Sondersignal geht es durch die merklich vollere Stadt. Meist bemerke ich unachtsame Autofahrer oder Fußgänger an stärkeren Bremsmanövern und denke mir immer wieder: Warum man vor einem RTW auf Alarmfahrt noch über diese Straße muss. An einer baustellenbedingten Engstelle kommen uns Polizeifahrzeuge ebenfalls auf Alarmfahrt entgegen. Es wird eng, aber es muss wohl passen, denn wir fahren weiter, ich sehe ja nicht viel.

Am Einsatzort stehen Passanten und können wenigstens einige Aussagen zum Geschehen treffen. Ein älterer Mann sitzt auf dem Boden. Leicht geschockt, eingenässt und eine blutige Wunde am Kopf. Auf unsere Trage müssen wir ihm helfen. Im RTW verbinden wir die Wunde und legen ein EKG an, messen den Blutdruck und den Blutzucker und sind dann schon fast am Hospital angekommen. Hier stehen aber mehrere RTWs, sodass wir nicht an erster Stelle parken können. In der Notaufnahme warten wir einen Moment bevor wir unseren Patienten übergeben können. Draußen ist der Parkplatz noch voll. Diverse RTWs und die Besatzung von einem NEF sind ebenfalls da. Später kommt noch ein Rettungshubschrauber dazu. Dieser landet aber auf dem Dach. Alle RTWs sind wieder bereit und verlassen das Hospital. Auch das NEF bekommt einen Einsatz. Wir fahren zur Wache. Immerhin drei Einsätze denke ich bei mir. Die beiden gehen davon aus, dass es das nun auch gewesen war für meine Schicht.

Es kommt doch anders; noch nicht mal eine Stunde dauert unsere Schicht noch als wir wieder alarmiert werden. Während der Fahrt holen wir uns noch weitere Infos von der Leitstelle bzw. vor Ort nochmal, denn die Lagemeldung war anscheinend nicht genau. Oben in der Wohnung werden wir vom Pflegedienst schon erwartet, der die Tasche der Patientin schon für den Krankenhausaufenthalt gepackt hat. Die ältere Patientin muss auch in die Klinik. Da sie selbst nicht mehr laufen kann, aufgrund des Allgemeinzustandes, holen wir wieder das Tragetuch. Die Wohnung liegt nur im ersten Stock aber trotzdem ist es nicht ganz einfach über die schmalen Holzstufen der Treppe die Patientin schonend und sicher zu transportieren. An dieser Stelle merke ich wieder, dass ich Wendeltreppen und Treppen mit kleinen Stufen überhaupt nicht mag. Für später notiere ich mir, eine vernünftige Treppe zu bedenken.

Im RTW ermitteln wir Werte der Patientin wie EKG oder den Blutdruck sowie den BZ. Somit vergeht die Fahrt doch sehr schnell bis zum Klinikum. Wir fahren die Patientin herein. Leider ist zurzeit keiner in der Notaufnahme für uns zuständig. Hinter uns kommen die Kollegen, die wir nun schon eben beim Hospital getroffen haben sowie ein weiterer RTW hinter uns in die Notaufnahme. Nach Abfrage möchten wir alle den internistischen Bereich. Entsprechend dem „first come – first serve“-Prinzip dürfen wir unsere Patientin in den Schockraum bringen. Dort übergeben wir sie und begeben uns zum Auto. Die wichtigsten Sachen erledigen wir. Danach geht es zur Wache, denn es ist schon nach sieben. Pünktlich Schluss zu machen ist nicht immer sicher. Aber das gehört zum Beruf dazu. Meine Schicht endet nach dem Umziehen und dem Aufräumen um 19:20. Die nächste Besatzung übernimmt unserem RTW etwas verspätet. Mit meinen Sachen und trotz der langen Zeit mit wenigen Einsätzen gehe ich doch mit vielen Eindrücken und neuen gelernten Dingen zum Auto.

Mein Fazit ist, dass ich definitiv möchte nochmal eine Schicht auf dem RTW oder einem KTW mitzufahren.

Hinweis: Einsatzdaten aus Datenschutzgründen geändert.

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