Medizinische Geräte im Einsatz – Wer bestimmt hier wen?

Sowohl auf Sanitätsdiensten als auch im rettungsdienstlichen Alltag stehen uns viele medizinische Hilfsmittel zur Verfügung, vom EKG, über die Kapnografie, die Pulsoxymetrie, der Blutzuckermessung, das Thermometer bis hin zur Blutdruckmessung. – Doch was können diese Geräte leisten und inwiefern können sie für unsere Arbeit nützlich sein? Vielleicht in dem ein oder anderen Fall ebenso auch gefährlich? – All diesen Fragen möchte der nachfolgende Artikel nachgehen.

Ausgangspunkt unserer Betrachtung soll ein vielleicht nicht alltäglicher Einsatzverlauf sein: Wie die Berliner Zeitung am 13.02.2017 berichtete, konnten Sanitäter einen Patienten nicht auffinden, weil das Navigationssystem die von den Ersthelfern genannte Straße nicht kannte. Es handelte sich um ein Neubaugebiet, welches kartographisch noch nicht erfasst worden war. Der Patient verstarb letztendlich an einem Herzinfarkt, da die Sanitäter den Einsatzort nur noch deutlich verspätet erreichen konnten.

Natürlich kann den Sanitätern hier kein großer Vorwurf gemacht werden: Sie haben versucht die Unfallstelle so schnell wie möglich zu erreichen – dennoch waren die Sanitäter fast vollständig von der Technik abhängig. Mit gravierenden Folgen, wie der einführende Fall es uns gezeigt hat.

Kommen wir zurück zu den einzelnen technischen Geräten. Auch hier ist es keine Überraschung, wenn schon jetzt das Ergebnis genannt wird, dass all die oben genannten Geräte – vom EKG, über die Kapnografie, die Pulsoxymetrie, der Blutzuckermessung, das Thermometer bis hin zur Blutdruckmessung – unsere Arbeit unterstützen, aber nicht ersetzen können.

Im Mittelpunkt muss weiterhin der Patient stehen – ist der Blutdruck normal, die Pulsoxymetrie zeigt keine Auffälligkeit und der Blutzucker ist auch im Normbereich, so muss trotzdem weiter geforscht werden, wenn der Patient zyanotisch, verwirrt und abwesend wirkt. – Nicht das Gerät diktiert die Therapie, sondern das Rettungspersonal muss die richtige Diagnose herausarbeiten.

Die einzelnen Geräte können daher nur zur Abklärung und Absicherung herangezogen werden. Die darüber gewonnen Werte müssen richtig interpretiert und im Einklang mit dem uns bietenden Einsatzbild gebracht werden. Wir nähern uns dem Patienten also zunächst über das bekannte ABCDE-Schema und integrieren in diese Arbeit die einzelnen technischen Geräte.

Dabei darf den einzelnen Werten aber auch nicht blind vertraut werden: Die Werte eines Pulsoxymeters können durch Bewegungen (Zittern, Reanimation) oder durch Nagellacke verfälscht werden, ebenso die Werte eines EKG’s, die durch das falsche Anbringen der Elektroden oder durch Bewegungen während des Transportes beeinflusst werden können.

Der Umgang und die Interpretation der erhobenen Werte kann jedoch nur mit ausreichend Übung gelingen. Immer wieder sollten unter verschiedenen Bedingungen die Blutdruckmessung oder das Anlagen eines EKGs trainiert werden. Nur so können insbesondere ehrenamtliche Hilfe die notwendige Sicherheit im Umgang mit den Geräten gewinnen.

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