Langsam kommt Routine rein

Es ist mittlerweile April. „So wir werden euch dann gleich eure Ergebnisse mitteilen.“ Och nee nochmal warten. Es war ein Sonntag im April. Ich hatte meine theoretische, wie auch praktische Prüfung zum Einsatzsanitäter hinter mir. Wir warten nur noch auf unsere Ergebnisse. Nun bin ich schon fast ein Jahr dabei. Ich lerne immer noch ungemein viel und bin über jede vernünftige Übung dankbar. Dann war es soweit: Ich hatte meine Prüfung bestanden und das gut sogar. Nun konnten die richtigen Sandienste kommen. Jährlich gibt es bei uns bestimmte Sandienste, auf die man sich freut, denn dort passiert was, was zwar an sich nicht gut ist, für uns aber schon, denn wir wollen ja helfen.
Stadtfest bedeutet: Mehrere Tage, mit vielen tausend Menschen, Attraktionen und natürlich auch Alkohol. Genau die richtige Grundlage. Ich hatte mich zu mehreren Tagen gemeldet, denn ich war fertiger Einsatzsanitäter brauchte aber noch Hilfeleistungen für mein Zertifikat.
Sonntag und das Wetter waren voll ok. Leicht sonnig und nicht zu warm. Motiviert trafen wir uns, checkten die Autos noch einmal und dann ging es los. Unseren Materialwagen (ein leerer BTW) mit allem befüllt, was man brauchen könnte, wurde von mir gelenkt. Ich kann jedem nur empfehlen in Einsatzstiefeln so viele Übungsfahrten wie möglich zu machen. Es ist doch ein leicht anderes Gefühl. Heile und in akzeptabler Zeit trafen wir an unserem Standort dem Schulhof einer Schule ein. Wir waren die Ersten. Der ELW wurde aufgebaut und wir luden alles wichtige Sanmaterial und Verpflegung aus.
Nach und nach kamen die anderen HIORGS und diverse Fahrzeuge, wir wurden begrüßt, besprachen die Teams und dann gab es, das mir schon vorher schmackhaft gemachte Essen. Richtig gut gestärkt kam der erste Einsatz. Mit meiner zugeordneten fertigen Einsatzsanitäterin ging es los. Funke und Sanrucksack dabei. Verletzung am Auge war das Stichwort. Wir trafen am Einsatzort eine Gruppe Jugendlicher. Eine Fliege sei hinter den Augapfel gekrochen. Nachdem wir das Auge untersucht hatten, nichts feststellen konnten außer einer dicken Rötung, die definitiv vom vielen jucken kam, konnten wir nichts machen. Der Junge war zufrieden und wir konnten wieder zurückgehen.
Den größten Zeitanteil verbrachten wir im Container. Ja da fühlten wir uns ein bisschen wie die im Fernsehen. Ein normaler Frachtcontainer mit je einem Fenster an der Längsseite und Gartenstühlen und einer kleinen Schrankwand stellte den AB Betreuung dar. Gegen 23 Uhr war Ende und unser Einsatz war unserer einziger. Ich war ein wenig enttäuscht, zumal ich von den letzten Jahren privat mehr gesehen hatte und auch von Erzählungen auf mehr Einsätze vorbereitet war.
Der nächste Tag und selber Ablauf. Mit einer anderen Teampartnerin saß ich wieder im Container. Plötzlich ging die Tür auf. Gedanken wie: Scherbe in der Hand, umgekippt, Platzwunde gingen mir durch den Kopf. Herein kam ein angetrunkener und junger Pole. Das Problem war: Er war angetrunken, sprach weder deutsch noch englisch und hatte einen notdürftigen Verband wenn man es überhaupt so sagen kann. Mit Händen und Füssen sowie diversen Sprachfetzen wollte er einen neuen Verband haben, was wir voll verstehen konnten. Also Sanrucksack auf, desinfizieren, neue Kompresse und die Schiene wieder gut befestigen. Er war nett. Trotzdem mussten wir ihm die Frage ob er Verbandspäckchen mitnehmen darf, verneinen. Wieder ein halber Einsatz am Tag. Unterdurchschnittliche Quote.
Mein letzter Tag war mit meinem Teampartner vom Lehrgang. Aufgrund der Kapazitätsplanung saßen wir beide 80 Prozent der Zeit …. Im Container. Als kleinen Tipp. Das Rollo vorne vor den vorbeiziehenden Menschenmassen schließen sieht nicht gut aus. Genauso wenig wie Füße auf dem Tisch und Handy zocken. Wir repräsentieren mit unseren Klamotten nun mal eine Organisation und uns sollen die Leute vertrauen. Was ich gelernt habe ist, spielt ein Spiel und nutzt die manchmal genialen Ideen anderer Menschen. Winkt einfach nett aus eurem Container, in den alle Leute reinglotzen und man fühlt sich wie im Zoo. Aber winkt ihnen und die meisten winken nett zurück, andere machen einen Witz, wo man lachend aus dem Container hinweisen kann, dass das Fenster auf Kipp steht oder manche bleiben stehen um zu plaudern. So vergeht die Zeit auch schneller. In diesem Fall relativ schnell und ohne medizinischen Einsatz. Gegen Abend wurden wir per SMS und Funk vom ELW alarmiert. Als Fußtrupp kamen wir schneller zum Einsatzort als der KTW. Also Rucksack und Funke schnappen und schnellen Schrittes durch die Massen. So ein Rucksack sorgt für Platz. Der Ort war ungenau beschrieben, aber viele Passanten konnten sofort winkend auf sich aufmerksam machen.
Eine Scherbe im Schuh und auch im Fuß. Die Rückmeldung an den ELW zur besseren Koordination für den KTW abgeben und schon wurde mir Desinfektionsmittel gereicht und ich konnte die Wunde versorgen, denn die Scherbe noch im Schuh feststeckend war nicht sauber gewesen. Die Trage kam und die Kollegen nahmen den jungen Mann mit. Leider wurde dieser Einsatz nicht auf meinem Praktikumszettel vermerkt, deswegen sammle ich weiter Einsätze.
Es folgten weitere kleine Sandienste. Wieder konnte ich fahren verschiedener Fahrzeuge mit Einsatzstiefeln perfektionieren sowie die Ausrüstung besser kennen lernen. Einsatze gab es nicht was auf der einen Seite ja auch gut ist, aber natürlich für einen neuen auch ein bisschen schade. Spaß hatten wir immer auf den Diensten und ich bin mir sicher auch auf den Nächsten wird es so sein.
Für größere Fahrzeuge braucht man natürlich auch größere Führerscheine. Mein Teampartner und ich durften den Feuerwehrschein machen. Er berechtigt bis 7,5 Tonnen aller Einsatzfahrzeuge zu bewegen, was ein großer Vorteil und eine coole Sache ist. Nach einem Theorieteil, der im Wesentlichen nur Sonder- und Wegerechte beinhaltete, ging es schon ans Fahren. Ein leerer kleiner LKW diente zum Üben. Erst einmal nur auf dem Hof einen Slalom fahren, mit Einweiser einparken und um eine Kurve fahren um dann eine dreivierte Stunde durch die Stadt zu manövrieren. Es ist schon ein wenig anders zu fahren, ging aber mit den Sportschuhen relativ leicht. Ich bin gespannt wie das erste Mal mit Einsatzstiefeln so wird, aber das wird mich ja bestimmt bald auch erwarten.

3 Kommentare

  1. Interessant den ganzen Alltag eines Sanitäters mal aus seiner Sicht zu sehen. Ich finde die Arbeit die ihr macht immer wieder erstaunlich und ihr habt meinen vollsten Respekt!

    • Lukas on 22. Januar 2016 at 13:45
    • Antworten

    In meinem KV ist für Einsatzsanitäter statt der Hilfeleistungen ein 40-stündiges RTW-Praktikum vorgesehen. Ist meiner Meinung nach eine sinnvolle Sache, gerade da man auch mal „richtige“ Notfallpatienten zu Gesicht bekomme.

    1. Je nach Alter, Angebot an Sandiensten und zur Verfügung stehender Zeit ist das eine gute Alternative. Bei uns kann man ja auch auf dem RTW eine Schicht mitfahren um die Hilfeleistungen zu bekommen.

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