“Ladungssicherung” – auch im RTW und KTW notwendig?!

Die Anschnallpflicht gilt in Deutschland nun schon seit vielen Jahrzehnten – genau gesagt seit 1976. In Gesetz gegossen ist diese Pflicht in § 21a der Straßenverkehrsordnung, nach dem vorhandene Sicherungssysteme während der Fahrt anzulegen sind. – Von dieser Pflicht existieren nur wenige Ausnahmen – was aber bedeutet diese Pflicht für einen Transport im Rettungs- oder Krankentransportwagen? – Dieser Frage will der nachfolgende Artikel nachgehen.

Grundsätzlich sei zunächst vorangestellt, dass beim Anschnallen des Patienten höchste Sorgfaltsmaßstäbe angelegt werden sollten. Jegliche Bestandteile eines Sicherungssystems sind zu nutzen – nach der Divise “aus Bequemlichkeit lasse ich diesen Gurt mal weg” darf auf keinen Fall gehandelt werden. Dies kann weitreichende (arbeits- und strafrechtliche) Folgen für das zuständige Personal haben – denn die fehlerhafte Nutzung oder das Absehen der Nutzung von Sicherungssystem kann als “grob fahrlässige” Arbeitsweise angesehen werden und kann zu einer persönlichen Haftung führen.

Beginnen wir zunächst ganz am Anfang: Der Patient kann nicht abschließend in der Wohnung behandelt werden und soll nun zur weiteren Therapie in ein Krankenhaus gebracht werden. Da der Patient die Stufen nicht selbstständig bewältigen kann, wird ein Tragestuhl zum Transport in den Krankenwagen eingesetzt. Schon hier muss der Patient nach den vorgeschriebenen Regeln gesichert werden. Doch kann vorausgesetzt werden, dass jeder Mitarbeiter alle Regeln und Sicherungssysteme gekennt? Die Hilfsmittel können sich doch teilweise gravierend unterscheiden – das kann sich doch niemand merken? – Trotzdem kann und muss von den Mitarbeitern verlangt werden, dass sie auf das Material, welches sie regelmäßig nutzen, eingewiesen sind und dazu gehört auch das ggf. notwendige Sicherungssystem (maßgeblich sind die jeweiligen Herstellerangaben). Jeder Mitarbeiter muss also die Sicherungssysteme des genutzten Tragestuhls, der Trage im Rettungswagen und den sonstigen Materialien kennen.

Der Patient ist mittlerweile regelrecht mit dem Tragestuhl in den Rettungswagen transportiert worden. Mittlerweile stellt sich heraus, dass sie nicht mehr eigenständig sitzen kann, da dem Patienten die Kraft dazu fehlt, sodass eine Umlagerung auf die Trage notwendig wird. Auch hier sind alle Sicherungssysteme anzuwenden: Dazu gehören neben den Fuß-, Becken- und Brustgurten auch eventuell vorhandene Schultergurte.

Doch wer hat dafür Sorge zu tragen, dass die Sicherungssysteme korrekt angewendet werden? – Über die ordnungsgemäße Sicherung des Patienten hat sich der Fahrzeugführer vor Fahrtantritt zu vergewissern. Er trägt die Verantwortung für das Personal und die Patienten für die er eine sog. Obhutspflicht übernimmt.

Muss sich denn auch das Rettungspersonal anschnallen? – Der Fahrzeugführer muss sich – auch bei Inanspruchnahme von Sonderrechten – immer anschnallen. Für das behandelnde Personal gilt diese Pflicht nur eingeschränkt: § 21a Abs. 1 Nr. 5 StVO sieht vor, dass das Rettungspersonal während der notwendigen Behandlung von der Anschnallpflicht befreit ist.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Sowohl auf Kurzstrecken als auch auf Langstrecken muss auf eine ordnungsgemäße Anwendung der Sicherungssysteme geachtet werden. Primär fällt diese Pflicht dem Fahrzeugführer zu. Nur so können Folgen für die Patienten und das Personal vermieden werden.

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