Interview mit Jonas: Einsatzsanitäter-Kurs

JONAS: Guten Morgen, Herr Reporter!

CHRISTOPHER: Guten Morgen. Erinnerst du dich noch an deine medizinische Grundausbildung bevor du Sanitäter geworden bist? Also Erste Hilfe etc.? Was hast du da gelernt?

Vor der Sanitätsausbildung war ich zwei Mal in einem Kurs. Das erste Mal war der LSM-Kurs zum Führerschein bei einer privaten EH-Schule. Viel hängen geblieben ist da nicht: Schockverband, stabile Wiederbelebung und Drucklage oder so.

Das zweite Mal war der „große“ EH-Kurs, „damals“ noch mit 16 UE, bei einer HiOrg. Inhaltlich haben wir da auch nicht viel mehr gemacht, aber die Inhalte wurden wesentlich eingehender und mit mehr Praxis vermittelt. Außerdem gab es auch ein sinnvolles didaktisches Konzept. Ferner konnte hier auch auf die Interessen der Teilnehmer eingegangen werden. Von daher habe ich von diesem Kurs auch noch wesentlich mehr in Erinnerung. Neben den klassischen Sofortmaßnahmen wurden hier auch ein paar Grundzüge der Pädiatrie, Gefahren-Vermeidung und zahlreiche Notfallsituationen vermittelt. Wie sah es denn bei dir aus? Hast du dich vor der Ausbildung schon „vorgebildet'“?

Sehr interessante Erinnerungen hast du da ja noch. Besonders die stabile Wiederbelebung finde ich interessant.

Ich wollte / es war erforderlich, dass ich drei Mal den EH Kurs mit 16 Stunden machen musste. Jugendleiter und andere Fortbildungen haben diese vorausgesetzt. Dementsprechend habe ich dann irgendwann gelernt, dass es die stabile Seitenlage meine ich, gibt. Bei der, habe ich mich damals unnötig angestrengt und im Ernstfall bestimmt Leute weiter verletzt hätte… Heute ist das ja ganz einfach… Hallo Taxi ich bin müde usw.

Der letzte Kurs war bei einer HiOrg, wo der Referent zwar super war, aber in dem begrenzten Zeitraum nicht mehr machen konnte. Also mit seiner und anderer Mithilfe bin ich dann richtig zur HiOrg gegangen um mehr zu lernen. Von Freunden hat man auch immer wieder dazu gelernt. Wieso wolltest du mehr als die EH Dinge lernen?

Wollte ich eigentlich gar nicht. Ich bin gerne viel unterwegs und da kam es auch mal zu der einen oder anderen Verletzung. Deshalb wollte ich den 16-Stunden-Kurs machen. Und bei den Recherchen, wo man die Kurse so machen könnte, bin ich dann über den sanitätsdienstlichen Katastrophenschutz „gestolpert“. Und so ging das dann los: Mal zum Dienstabend gefahren und irgendwann saß ich dann im Lehrgang.

 

Zum Glück wurdest du dann auch mehr oder weniger zum Lehrgang beordert. Ich wollte ja schon länger Sanitäter werden. Viele aus Freundes- und Bekanntenkreis haben damit was zu tun. Irgendwann war es dann mal fällig. Was hattest du für Erwartungen an den Kurs? Was wolltest du lernen bzw. welche Themen waren im Vorfeld interessant?

 

Besonders viele Erwartungen hatte ich nicht, da ich auf dem Gebiet doch eher „Neuling“ war. Besonders gefreut habe ich mich vor allem auf die einsatztaktischen Bereiche und vor allem auf praktische Übungen. Die sind ja nicht nur am spannendsten, man lernt da auch wesentlich mehr, wird gut auf die realen Einsätze vorbereitet und vor allem ist es eine tolle Abwechslung zum sonst doch sehr „schreibtischlastigen“ Alltag.

 

Du meinst du hast dich auf Drücken und Pusten gefreut. Das finde ich interessant. Deswegen warst du ja selten am Kopf.
Also REA hatten wir als Thema. Dazu kam noch Asthma und warte noch was Anderes meine ich…. An welche Lernthemen kannst du dich erinnern? Bzw. welches Thema fandest du eher zum vergessen.

 

Sehr gut erinnern kann ich mich noch an die Lerneinheiten zum ABCDE-Schema und zur Traumatologie. Besonders hier zeigt sich auch einfach, dass man die Dinge besser behält, die man selber mal gemacht hat: In dem Block waren ja doch sehr viele Übungen. Wovon nicht mehr so viel da ist, ist der Aufbau des Herzens. Klar, Vorhöfe und Kammern kriege ich noch so gerade hin, aber wie jetzt die einzelnen Klappen und so heißen… Das liegt vielleicht auch daran, dass der genaue Aufbau von Organen für eine einfache San-Ausbildung auch nicht so die größte Relevanz hat. Natürlich muss man grob verstehen, wie das Herz funktioniert, aber die Details fand ich doch zu genau. Nicht, dass das nicht wichtig und interessant wäre, aber die Zeit hätte man auch anders nutzen können.

 

ABCDE und SAMPLER sind ja auch großer Bestandteil unser Arbeit. Bei jedem Patienten, den wir haben, müssen wir uns ja mit der Situation und den Ereignissen vertraut machen. Nicht so oft brauchen wir auch die Vorgänge bei einem Kreislaufstillstand. Ich muss dir zustimmen, dass die Theorie nicht so gut im Gedächtnis bleibt. Da wir ja eher den Erstangriff starten muss die Theorie nicht so tiefgehen. Mit der Lunge, die durch aus interessant und wichtig zu verstehen ist, haben wir auch viel Zeit gebraucht. Aber die Themen gehören dazu. Spaß hatten wir ja definitiv auch. Mit den Spineboard’s oder dem Schienmaterial. Benutzen konnten wir die ja im Unterrichtsraum… Cool wäre es gewesen diese im realen Umfeld wie im Graben oder im Auto zu benutzen…Wie haben dir die realen Situationen gefallen oder dir auch etwas gebracht?

 

Je realitätsnäher, desto besser! Erst beim Anwenden sieht man ja, wie die einzelnen Ausbildungsbausteine ineinandergreifen. Auch Problemsituationen, wie zum Beispiel ein Patient mit mehreren unterschiedlichen Problemen kommt ja in der Theorie eher selten vor. Ein ganz zentraler Punkt, gerade bei praktischen Übungen, ist auch die soziale Komponente: Zum einen die Betreuung des Patienten, zum anderen die Arbeit mit dem Partner. Das sind Themen von großer Relevanz in der Praxis, aber nur geringem Anteil in der theoretischen Ausbildung.

 

Da stimme ich dir zu! Ich bin ja ein Fan von RUD. So bekommen praktische Übungen auch einen realen Charakter. Außerdem sitzen Handgriffe erst, wenn du sie schon oft geprobt hast. Auch wenn es immer wieder drücken und pusten bedeutet. Patienten mit multiplen Problemen sind immer eine Herausforderung. Aber da haben wir ja Schemata nach denen wir alles abarbeiten können oder zwei verschiedene Verfahrensmöglichkeiten. Load and Go oder Stay and Play. Ich fand die Partnerarbeit mit dir auch immer cool. Es hat geholfen in der Ausbildung zusammen zu arbeiten. Und im Einsatz läuft das danach umso besser find ich. Welche besonderen Fachbegriffe sind dir noch im Kopf geblieben? Wie hast du gelernt bzw. dich für die Prüfungen vorbereitet?

 

Myocard, Epicard und Pericard, auch wenn das Herz nicht so mein Thema war. Insgesamt war es schon eine Menge an Begriffen. Irgendwann habe ich mir sogar eine Liste mit allen Begriffen gemacht, die ich mir merken wollte. So habe ich mich dann auch hauptsächlich auf die Prüfung vorbereitet: Eine Liste mit Erkrankungen, Symptomen und Maßnahmen, die sich gut lernen ließ, eine Seite mit Begriffen, und ein paar Zusammenfassungen besonderer Themenkomplexe und Schemata. Ansonsten waren die Unterlagen aus dem Lehrgang sehr hilfreich: Da habe ich die Sachen nochmal nachgelesen, die ich besonders relevant fand. Mit dem Lehrbuch habe ich nur bei Themen gearbeitet, die in den Unterlagen etwas „vernachlässigt“ worden waren, oder wo ich Zusammenhänge noch nicht ganz durchblickt hatte.

 

Das Herz hat viele Schichten das stimmt… Sehr ausführlich und gute Idee mit den Listen. Mir war das zu viel Arbeit. Ich habe im Buch geblättert, mit Freunden gelernt oder in den Unterlagen nachgeschaut. Wie fandest du deine Prüfung oder an was kannst dich noch erinnern?

 

Woran ich mich am besten erinnere ist, wie sich im ganzen Prüfungsraum voller San-Material kein Pflaster aufzufinden war. Ansonsten lief die Prüfung eigentlich ganz gut. Klar, etwas Nervosität war, gerade vor dem schriftlichen Teil schon dabei, aber die Fragen ließen sich dann doch recht gut beantworten. Vor dem praktischen Teil hatte ich weniger Sorgen. Die Reanimation war klar und auch auf die „Grundaufgaben“ fühlte ich mich gut vorbereitet.

 

Das klingt doch sehr vertraut. Wir wurden ja auch gut vorbereitet, sowohl schriftlich als auch praktisch. Dementsprechend haben wir das ja auch gut geschafft. Die Mischung der Themen war halt tricky zu lernen. Geschafft den Kurs und die Prüfung, doch dann fehlte ja noch was zum Zertifikat. 5 Hilfeleistungen. Wie hast du die bekommen?

 

Ich habe 2 Tage Wachenpraktikum gemacht: Eine Tagschicht RTW und eine KTW. Das war auch definitiv eine wichtige Erfahrung: Ich konnte mal einen Einblick in die Abläufe in der Regelrettung gewinnen und mir die Notaufnahmen der Krankenhäuser mal „von innen“ ansehen. Auch die Möglichkeit, als Praktikant quasi mit „Back-Up“ durch die Profis die ersten Patientenkontakte zu haben, war definitiv eine sinnvolle Ergänzung zur Ausbildung.

 

Da kann ich nur zustimmen! Ich bin ein Tag RTW gefahren. Eine lohnende Erfahrung und neben meiner Arbeit auch gerne hin und wieder eine Überlegung wert. Denke da lernt man mit den Profis auch ziemlich viel. Hast du schon Planungen für weitere Kurse?

 

Naja, es gibt eine ganze Reihe an Ausbildungen, die mich interessieren würden. Das Angebot ist da ja quasi grenzenlos. Allerdings fehlt mir momentan die Zeit für größere Fortbildungen, von daher habe ich für die nächste Zeit noch keine weiteren Kurse geplant.

 

Dann lassen wir uns überraschen was noch auf uns zukommt. Danke Jonas!

 

Bitteschön!

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