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Okt 30

INTERVIEW mit der Bahn

Bei jeder größeren Veranstaltung gibt es die Bestimmungen, dass ein Sandienst gestellt werden sollte. Je nachdem wie viele Besucher erwartet werden und wie hoch die Verletzungswahrscheinlichkeit ist, werden natürlich mehr Sanitäter und medizinische Ausrüstung sowie Fahrzeuge benötigt.
Viele Besucher oder in diesem Fall Fahrgäste an der Zahl über zwei Milliarden für das Jahr 2016 wurden bekannt gegeben. Eine große Menge an möglichen Patienten, die man haben könnte. Heute soll es darum gehen, was sozusagen der Sanitätsdienst der Bahn ist. Darüber hinaus gibt es weitere Informationen und was in den bestimmten Situationen passieren sollte. Dazu haben wir uns ein paar Fragen überlegt, die wir der Bahn genauer gesagt dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gestellt haben. Zu unserer Freude wurden diese kompetent beantwortet und nun können wir euch das Interview präsentieren.
Zum Interview einige Hinweise. Unsere Fragen werden normal formatiert gestellt und danach in Fett von einem Bahnsprecher der Bahn beantwortet. Sollten kleine Anmerkungen oder Erklärungen durch uns hinzugefügt werden, so sind diese Teile kursiv geschrieben.

Sind alle Mitarbeiter der Bahn (Personenverkehr, DB Netz usw.) verpflichtend in erster Hilfe geschult? Bieten Sie Lehrgänge oder Fortbildungen an?

In jedem Team bei der DB gibt es sogenannte Ersthelfer, die speziell in Erster Hilfe geschult sind. Mindestens einer dieser Ersthelfer ist zum Beispiel stets an Bord eines ICE. Insgesamt gibt es im DB-Konzern über 10.000 Ersthelfer.

Welche Behandlungsmaterialien (Notfallkoffer, Defibrillator) gibt es in den verschiedenen Zügen oder im Bahnhof? Ist an jedem Bahnhof ein Defi vorhanden oder nur ab einer bestimmten Größe? Gibt es Pläne in jedem ICE einen Defi zu stationieren?

Die DB Station&Service AG hat bisher keine Defibrillatoren an DB-Bahnhöfen aufgestellt. Der Grund dafür ist, dass es keinen Hersteller gibt, der derzeit einen zertifizierten Defibrillator im Angebot hat, welcher nachweislich unter den Bedingungen elektromagnetischer Beeinflussungen durch Oberleitungsanlagen in Verbindung mit Eisenbahnfahrzeugen im Betrieb zweifelsohne zuverlässig und störungsfrei arbeitet.

Der Einsatz von Defibrillatoren im Bahnhof ist derzeit aus überwiegend technischen Gründen nicht vorgesehen. Es bedarf weiterer technischer Erkenntnisse und möglicherweise auch einer Weiterentwicklung der Geräte.

  • Es gibt keine gesicherten technischen Erkenntnisse über Wechselwirkungen mit der bahntypischen elektrischen Oberleitung (15.000 Volt, vom Ortsnetz abweichende Stromfrequenz 16 2/3 Hertz).
  • Defibrillatoren wären im Bahnhof oft Witterungseinflüssen ausgesetzt. Im Gegensatz zu Flughäfen, wo Defibrillatoren bereits häufig anzutreffen sind, sind die meisten Bahnhöfe keine geschlossenen und beheizten Gebäude. Zudem ist zu erwarten, dass auch Defibrillatoren Ziel von Vandalismus werden.
  • Ein am Bahnhof stationierter Defibrillator würde die Umgebungstemperatur annehmen. Je nach Bauart lassen sich ab Temperaturen um den 0 Grad-Bereich die Elektrodenpads nicht mehr zuverlässig anbringen. Das birgt ein erhebliches Risiko für Patient und Anwender.

Es gibt keine Pläne, Züge mit Defibrillatoren auszustatten.

Gibt es Regelungen, wie weit ein Zug zum nächsten Bahnhof fahren soll oder ob auf der Strecke der Patient dem Rettungsdienst übergeben wird?

Der Zugbegleiter informiert den Triebfahrzeugführer über den Notfall. Der Triebfahrzeugführer informiert dann die zuständige Betriebszentrale.

Von der Betriebszentrale erhält der Triebfahrzeugführer Anweisungen, wie das weitere Vorgehen ist: Von dort erfährt er den Haltebahnhof, an dem ärztliche Hilfe bzw. ein Krankenwagen (ein Rettungswagen höchstwahrscheinlich) zum Zug kommt. Der Zugbegleiter ist weiterhin angewiesen im Falle eines Notfalls per Durchsage, nach ärztlicher Hilfe zu suchen (Dazu ein Erlebnisbericht). In jedem Fall leistet der Ersthelfer an Bord erste Hilfe.

Wird der Rettungsdienst über die Fahrdienstleitung oder direkt über den Notruf alarmiert?

Die Verständigung der Fremdrettung, d.h. Feuerwehr, Rettungsdienst usw. erfolgt stets durch die zuständige kommunale Leitstelle, übliche Bezeichnung „Rettungsleitstelle“. Diese wird bei Ereignissen auf Bahnanlagen durch die Notfall-Leitstelle über Notruf 112 informiert.

Werden die Notfallmanager der Bahn nur bei Unfällen o.ä. hinzugezogen und oder auch bei einzelnen Patienten im Zug? Übernimmt die Bahn bei Unfällen selbst die Erdung der Oberleitung oder können das auch die Feuerwehren?

Notfallmanager sind benannte Mitarbeiter des EIU (Eisenbahninfrastrukturunternehmen: Bahn, Metronom, NWB etc.), die bei einem Einsatz von Fremdrettungskräften im Ereignisfall für den Schutz der Einsatzkräfte vor den Gefahren aus dem Bahnbetrieb verantwortlich sind und dem Einsatzleiter als Fachberater zur Seite stehen. Bei einem so genannten medizinischen Notfall im Zug werden die Notfallmanager i.d.R. nicht hinzugezogen.

Die Bahnerdung der Oberleitung dient der Abwehr einer Gefahr aus dem Bahnbetrieb und ist somit Aufgabe und Zuständigkeit des Anlagenbetreibers. Die Sicherstellung der Bahnerdung obliegt dem Notfallmanager. Feuerwehren können auf freiwilliger Basis und zusätzlich zum Notfallmanager bei Vorliegen bestimmter seltener Voraussetzungen das Bahnerden übernehmen. Hierfür müssen sie vorab entsprechend unterwiesen werden. Die Entscheidung, ob Einsatzkräfte einer Feuerwehr unterweisen werden, liegt beim jeweiligen Träger der Feuerwehr und dem EIU. Die Zuständigkeit verbleibt jedoch stets beim EIU.

Wie häufig rücken die Rettungszüge im Jahr aus? Wie lange dürfen Sie bis
zum Einsatz benötigen, gibt also Fristen?

Rettungszüge (spezielle Zuggattung, die aus zwei (nicht elektrische) Loks, Transportwagen, Sanitätswagen und  Löschmittelwagen bestehen können) sind Bestandteil des Rettungskonzeptes für Tunnel auf zwei Schnellfahrstrecken und werden ausschließlich auf diesen Strecken eingesetzt. Ereignisse im Tunnel sind aufgrund des vierstufigen Sicherheitskonzeptes extrem selten, sodass es bisher kaum zu einem Einsatz der Rettungszüge gekommen ist.

Wie häufig gibt es Notarzteinsätze IM Zug?

Statistiken zu Notarzteinsätzen geben wir nicht bekannt.

 

Zusammengefasst kann man sagen, dass sich die Bahn auf ihre vielen Fahrgäste vorbereitet hat und Konzepte entwickelt hat, wie man Patienten versorgen kann. Natürlich decken unsere Fragen nicht jedes Thema ab und sollen auch nur für einen Überblick sorgen. Durch die ausführlichen Antworten weiß man nun auch, warum nicht wie im Vergleich zum Flughafen überall ein Defi hängt oder weshalb ein Zug mit dem Stichwort „Notarzteinsatz im Zug“ etwas Verspätung haben kann. Für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen möchten wir uns bei der Öffentlichkeitsarbeit der Bahn bedanken.

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