„Ich geh‘ keinesfalls mit Ihnen mit!!“ – Die Transportverweigerung

Immer mal wieder kommt es zu Einsätzen oder Hilfsmaßnahmen bei denen zwar Außenstehende davon überzeugt sind, dass der Patient ins Krankenhaus gebracht werden sollte, der Patient selbst davon jedoch gar nichts hält. Wie ist in solchen Situationen zu verfahren? – Dieser Artikel möchte euch anhand eines Schritte-Modells zur richtigen Entscheidung anleiten.

Schritt 1: In welchem Zustand befindet sich der Patient?

Hier muss unterschieden werden zwischen einem Zustand der „freien Willensbildung“ und dem gegenteiligen Zustand des Patienten. Gemeint ist mit „freier Willensbildung“, dass das Handeln und Denken des Patienten nicht durch hohes Fieber, starke Übermüdung, hochgradige Trunkenheit, massiven Drogeneinfluss oder auch psychisch erkrankte Menschen (z.B. Suizidenten) beeinträchtigt ist.

In was für einem Zustand sich der Patient befindet kann letztlich nur ein Arzt entscheiden, der bei Abwesenheit an der Unfallstelle nachgefordert werden sollte. Die Gesprächsführung mit einem suizidwilligen oder therapieunwilligen Patienten kann sich als große Herausforderung für das Personal am Unfallort herausstellen.

Schritt 2a): Der Patient befindet sich im Zustand der „freien Willensbildung“:

Ist der Patient noch „Herr seiner Sinne“ so kann er selbst darüber entscheiden, was mit ihm geschieht. Er kann entscheiden, ob er einen Transport oder eine Maßnahme durchführen lässt.

Es gilt jedoch zu beachten, dass der Patient vom Notarzt zwingend auf die Folgen seines Handelns hinzuweisen ist. Dem Patienten muss klar vor Augen geführt werden – und dies in „laiengerechter“ Sprache – was für Folgen die Verweigerung des Transports zur Untersuchung für ihn haben könnte. Dieses muss zwingend von einem Arzt dokumentiert werden – so schon der BGH (MedR 1998, S. 26).

Schritt 2b): Der Patient befindet sich nicht in einem Zustand der „freien Willensbildung“:

Beruht die Entscheidung der Transportverweigerung hingegen nicht mehr auf einer freien Willensbildung, weil der Patient beispielsweise unter Drogen- oder Alkoholeinfluss steht, so ist der Wunsch des Patienten den Transport nicht durchzuführen, für die Einsatzkräfte nicht von Relevanz. Insbesondere wenn eine akute Gefährdung für das Leben des Patienten besteht, ist dieser dann unter Anwendung von Zwang zu transportieren. Entweder muss dann nach dem Betreuungsrecht vorgegangen werden (s. § 1906 Abs. 1 Nr. 1 BGB) oder bei einer psychischen Erkrankung die zuständige Verwaltungsbehörde informiert werden (s. § 16 NPsychKG), wovon auch Suizidenten erfasst sind.

Schritt 3: Würde der Patient, der die Behandlung in einem Zustand der freien Willensbildung abgelehnt hat, in einer hilflosen Lage zurückbleiben?

Falls der Patient in einer hilflosen Lage zurückbleiben sollte, so kann die Polizei diesen Patienten unter den Voraussetzungen des § 18 Abs. 1 Nr. 1 NSOG in Gewahrsam nehmen. Aufgrund dessen kann der Patient zumindest ins Krankenhaus transportiert werden.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.