Erste-Hilfe leisten in jeder Situation? – Teil 2

In diesem 2. Teil möchten wir Euch erneut einige Notfallsituationen vorstellen. Dazu möchten wir Euch weiterhin auffordern, euch zunächst selbst jeweils Gedanken zu machen, wie ihr in der Situation reagieren würdet.

Fahren wir mit dem 4. Beispiel fort:

Klaus kommt an einem Verkehrsunfall vorbei und möchte natürlich so schnell wie möglich helfen. Er stellt sein Fahrzeug ab und sprintet zur Unfallstelle, die bereits abgesichert wurde. Leider vergisst er in der Hektik sein Fahrzeugschlüssel an sich zu nehmen und daraufhin kommt es, wie es kommen musste: Sein Fahrzeug wird von jemandem geklaut, der es aufgrund des stecken gelassenen Schlüssels sehr einfach hatte. Glücklicherweise hat Klaus eine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen und wendet sich nun bzgl. Schadensersatzes an diese.

Was denkt ihr, muss die Versicherung den aufgrund des Diebstahls entstandenen Schaden ersetzen?

 

Die Versicherung hat den Anspruch auf Schadenersatz zunächst abgelehnt. Die Begründung lautete, dass es “grob fahrlässig” gewesen sei, den Schlüssel im Auto hängen zu lassen. Bei grob fahrlässigem Verhalten springt die Versicherung jedoch nicht ein. Dagegen klagte der bestohlene Helfer, denn er handelte ja in einer Ausnahmesituation und musste so schnell wie möglich als Ersthelfer tätig werden, da sei nicht an den Schlüssel zu denken gewesen.

Dagegen wehrte sich der Helfer vor Gericht und bekam Recht: Das Landgericht Oldenburg entschied, dass das Verhalten des Helfers nicht grob fahrlässig gewesen sei. Denn selbst einem umsichtigen Helfer könne es passieren, dass er den Schlüssel stecken lässt, wenn er gedanklich schon voll bei der zu leistenden Hilfe sei. Dem Helfer wurde daher letztendlich der gesamte Schaden von der Versicherung ersetzt.

Jetzt haben wir Euch ganz viele kleine Einzelfälle gezeigt und wie in solchen Situationen zu reagieren ist. Aber was wird nun tatsächlich von einem Ersthelfer verlangt?

Grundsätze Pflicht ist es zunächst die Unfallstelle so gut wie möglich abzusichern, wozu im Straßenkehr die Warnblinkanlage, die Warnweste und das Warndreieck gehören. Dann sollte man sich so schnell wie möglich einen Überblick über den Zustand des Patienten verschaffen – für Laien-Helfer reicht es die Atmung und das Bewusstsein des Patienten zu überprüfen. – Mit den dann erhobenen Daten über den Zustand des Patienten sollte sodann so schnell wie möglich der Rettungsdienst verständigt werden. Danach sollte der Patient ständig beobachtet und ggf. weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Doch dieses Vorgehen gilt nicht uneingeschränkt: Die Erste-Hilfe dominiert der Grundsatz des sog. Selbstschutzes. Um einen verunfallten Patienten zu helfen, braucht sich der Ersthelfer nicht ebenfalls in Gefahr zu bringen. Sollten daher an der Unfallstelle irgendwelche Gefahren lauern (u.a. Auslaufen von Flüssigkeiten, generell Unfälle im Straßenverkehr, Person in Eis eingebrochen), so sollte besonnen überlegt werden, welche Maßnahmen nun realistisch ergriffen werden könnten. Komme ich an den Patienten nicht heran, ohne eine Eigengefährdung auszuschließen, so habe ich dies beim Absetzen des Notrufs mit anzugeben.

Von professionellen Helfern kann jedoch durchaus ein strukturiertes Vorgehen verlangt werden. Am Schnellsten und effektivsten gelingt dies mit dem schon an anderer Stelle vorgestellten ABCDE-Schema.

Voraussetzung dafür ist jedoch zunächst, dass wir überhaupt an die Unfallstelle gelangen. Wie noch einmal eine Rettungsgasse zu bilden ist, findet ihr hier detailiert beschrieben.

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