Erste Hilfe geleistet – wer übernimmt meine Schäden?

Wir alle sind dazu verpflichtet im Rahmen unserer Möglichkeiten Erste Hilfe am Unfallort zu leisten. Das kann darin bestehen den Notruf abzusetzen, die Seitenlage oder die Wiederbelebung durchzuführen.

Bei diesen Tätigkeiten kann es aber auch immer mal wieder dazu kommen, dass sich der Ersthelfer Schäden zufügt. Sei es, dass seine Kleidung mit Blut in Kontakt kommt, diese zerrissen wird oder der Ersthelfer selber körperliche Verletzungen erleidet.

Der Grundsatz geht darin, dass derjenige, dem bei der ersten Hilfe ein Schaden entsteht, dafür Schadensersatz verlangen kann. Jegliche Schäden, die auftreten könnten, werden von Versicherungen ersetzt.

Das gilt auch dann, wenn sich ein Helfer bei der Hilfsaktion selbst verletzt oder seine Kleidung oder das zur Absicherung genutzte Fahrzeug beschädigt werden. Auch dann kann er die Aufwendungen für die Behebung der Schäden geltend machen. Denn grundsätzlich ist man als Ersthelfer gegen alle potentiellen Schäden versichert.

Dabei ist jedoch zu differenzieren: Wer bei einem Unfall hilft, bei dem das Opfer den Unfall als Fahrer verursacht hat, der ist über die KFZ-Haftpflichtversicherung des Opfers versichert. Die zahlt dann alle Personen- und Sachschäden.

Anders sieht es bei einer Pannenhilfe aus. Rutscht beispielsweise der Helfer auf glatter Fahrbahn aus und bricht sich das Bein, dann greift die gesetzliche Unfallversicherung. Darüber werden jedoch wiederum alle Schäden ersetzt.

Wie würdet ihr aber in folgendem Fall entscheiden?

Ihr kommt mit dem PKW an eine Unfallstelle. An der einen Seite der Straße liegt ein Motorrad, auf der anderen Seite liegt der Motorradfahrer. Euer Adrenalin-Spiegel steigt immens an und ihr seid aufgeregt, weil euch klar wird, dass ihr jetzt so schnell wie möglich handeln müsst. Ihr springt aus dem Auto und widmet euch sofort dem offensichtlich stark verletzten Motorradfahrer. Es kommt, wie es kommen muss: Euer Auto wird geklaut, da der Schlüssel noch steckte.

Glücklicherweise hat der Fahrer eine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen und verlangt nun die Zahlung für das gestohlene Fahrzeug. Die Versicherung verweigerte jedoch die Zahlung wegen grober Fahrlässigkeit. Das Landgericht Oldenburg entschied nun, dass in einer solchen Situation auch ein umsichtiger Fahrer den Schlüssel stecken lassen könne und in Gedanken schon bei der Hilfestellung sei. Damit habe er nicht grob fahrlässig gehandelt: Die Versicherung musste den Schaden ersetzen.

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