Erfahrungen – aus einem Jahr als ES

Fast genau (morgen!) ein Jahr sind Jonas und ich schon Einsatzsanitäter. Nach dem Kurs in dem wir vieles gelernt haben, aber in der Masse mehr Theorie als Praxis. Vielleicht auch deswegen sind die Inhalte manchmal nicht zu 100% im Kopf. Die genaue Anatomie brauchen wir im Einsatz ja auch nicht wissen. Es bringt unserem Patienten nichts, wenn wir ihm den genauen Aufbau der Leber erklären oder die einzelnen Bereiche des Gehirns. Trotzdem sollten wir wissen wo das Gehirn sich denn befindet und dass dort auch Blut ankommen sollte. Möglichst auch mit Sauerstoff.

Vor einem Jahr haben wir alle die schriftliche Prüfung geschrieben und bestanden. Auch die praktische Aufgabe konnten wir alle lösen. Danach mussten wir jeder 5 Hilfeleistungen mit mindestens einem Rettungssanitäter bestätigen lassen. Das hat je nach Alter (u18 gehört nun mal definitiv nicht auf einen RTW) oder Arbeit / Studium / Schule seine Zeit gedauert. Wenn man eine Schicht auf dem RTW hatte, heißt das aber noch lange, dass man auf seine 5 Einsätze kam. Irgendwann haben wir unsere Hilfeleistungen gehabt und konnten dann auch mit Verantwortung auf Sandienste gehen. Ich für meinen Teil muss sagen, dass die richtigen Einsätze nicht kamen. Zum Glück hatten wir keine Reanimation. Wobei eigentlich doch, aber das war eine Übung eine Demonstration auf einer Veranstaltung. Von kleinen Schürfwunden über Verband wechseln oder anderen Verletzungen gab es immer mal wieder etwas. Interessante Sachen bzw. Fälle wie Intoxikation mit Alkohol oder ähnlichen Substanzen waren schon seltener. Dort konnte man aber nochmal alles Theoretische gebrauchen und auch die einzelnen Maßnahmen zum Messen von Vitalwerten waren von Vorteil.

Damit dass mit den Messen und den kleinen Handgriffen auch immer gut läuft, gibt es bei uns auch immer wieder Übungen oder Fortbildungen bei denen man sein Wissen nochmal auffrischen kann. Besonders Gegenstände oder nicht alltägliches sollten dabei auch immer geübt werden. Im Ernstfall mit dem Partner erst diskutieren, ob man die Schaufeltrage nimmt oder lieber das Spineboard dann aber zu merken, dass man gar kein Spineboard mithat auf dem Auto und dann doch die Schaufeltrage nehmen muss, kommt nicht gut an. Außerdem ist dann die Regelrettung auch da und ihr habt schon wieder nichts gemacht, obwohl die Chance da war.

Ich hatte das Glück mehrfach die Übungen von anderen von der Patientenseite aus zu sehen. Wenn man (groß und verletztet) im Wald liegt und man von zwei Helfern versorgt und abtransportiert werden soll, ist das schon zeitaufwändig. Dabei lernt man viel für sich selbst als Helfer. Dem Patienten geht es schlecht und wenn man mit ihm redet geht es ihm nicht sofort besser aber es hilft ihm, dass er sich vielleicht beruhigt oder sich etwas entspannen kann. Der andere Helfer kann auch alleine dafür sorgen, dass man Hilfe beim Tragen und was Passendes zum Tragen findet. Der Punkt Wärmeerhalt ist dabei auch wieder in den Vordergrund getreten. Mir ist meistens relativ warm auch wenn andere in Jacke dastehen und noch frieren. Sobald man als Verletzter daliegt, wird es echt sehr schnell kalt und man freut sich sogar sehr über die Rettungsdecke, auch wenn diese eher dünn und dauernd für Untersuchungen zur Seite gezogen wird. Ab dem Zeitpunkt der Übung achte ich im Einsatz darauf verstärkt.

Für Helfer, einer SEG bzw. auf Sandiensten sind die Einsätze und Übungsmöglichkeiten auf ein Jahr gesehen doch recht wenig. Deswegen sollte man die Möglichkeiten auch richtig nutzen und bei einer Übung lieber noch zwei drei andere Helfer dazu holen und dem Patienten vernünftig auf die Trage befördern als zu sagen, man sei nur zu zweit und jetzt steig da mal auf die Trage, du bist ja nicht wirklich verletzt und bewusstlos. Im Ernstfall kann der Patient auch nicht so mithelfen.

Mit dem Feuerwehrführerschein darf ich auch die größeren Fahrzeuge wie RTWs oder ähnliches fahren. Da ist auch manch älteres Fahrzeug bei oder Fahrzeuge, die man nicht so gern fährt. Bei den Dienstabenden oder so lohnt es sich aber sich hinters Steuer zu setzen, denn da kann man langsam fahren und üben. Bei einem Einsatz zu warten bis einer das Fahrzeug fahren möchte, könnte kontraproduktiv ausgehen. Ein regemäßiges checken der Fahrzeuge ist eigentlich ein Muss kann aber auch nicht immer gemacht werden. Auch die medizinische Ausrüstung und checken gehört dazu. Das schult auch den Umgang mit den verschiedenen Geräten und verschieden Beladungskonzepten der Fahrzeuge.

In dem Jahr habe ich es aufgrund meiner Arbeit nicht geschafft an Alarmierungen der SEG teilzunehmen und dort vielleicht auch größere Lagen mitzuerleben. Einerseits ist das ja gut, aber anderseits ist es auch spannend, ob das dann dort auch so alles funktioniert wie bei den Übungen oder wie es geplant ist.

Nach einem Jahr ES habe ich immer noch viel dazugelernt theoretisch und habe einiges praktisch machen können. Nun kann ich größere Fahrzeuge fahren oder bin auf die verschiedensten Geräte eingewiesen. Wir haben immer noch Spaß an der Sache und sind immer besser auf die Einsätze vorbereitet. Also weiter geht’s in das nächste Jahr als ES und auf die nächsten anstehenden Sandienste.

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