Du bist doch – Du kannst doch

Gleich zu Beginn. Dieser Text spiegelt meine Ansicht wieder und muss nicht auf jeden anderen zutreffen.

Es ist Winter oder Herbst und es regnet. Man kommt zu Freunden oder Bekannten und wird gleich an der Tür abgefangen. Hier du machst da doch was mit Medizin und so wird einem gesagt. Dabei wird ein Kind herbeigerufen. Man sieht es hat eine rote Nase, sieht etwas blass aus und hustet. Sag mal was hat es denn, kommt die fordernde Frage. So eine Situation oder auch anderweitig (Knie ist blau, Kopf angestoßen) passieren mir als Sanitäter (dazu nur ehrenamtlich) öfters. Die Frage ist nur warum? Klar ich habe einen Kurs besucht, in dem wir die Anatomie und diverse Fakten zum Teil sehr genau auseinandergenommen und gelernt haben. Das war ein Wochenendenkurse und kein richtiges Studium über Jahre. Natürlich sehe ich die Symptome auch und kann vermuten, dass es sich um eine Erkältung oder eine Grippe handelt. Allerdings ist das keine fundierte Diagnose. Ich kann mit meinem Wissen und meinen Techniken rausfinden, dass es atmet und mit mir sprechen kann. Um das ABCDE Schema durchzugehen, könnte ein minimales A Problem mit dem Husten herausgefunden werden. Ansonsten ist für mich „der Patient“ nicht wirklich bedroht. Was antworte ich dann den wohlmöglichen aufgewühlten Angehörigen. Geht zu einem Arzt oder ich bin Sanitäter und einen Notfall sehe ich hier nicht. Das sind zwei mögliche Antworten, aber der Effekt ist oftmals erstmal wieder sowas wie, ja was hast du denn gelernt? Dann erzähle ich gerne was ich gelernt habe, wofür ich gelernt habe und was ich eigentlich alles darf oder besser gesagt, was ich alles nicht darf.

Genauso wenig bin ich ein Apotheker und habe erstmal sowieso nichts an diversen Schmerzmittel und sonstigen Medikamenten immer dabei. Zweitens darf und möchte ich auch kein Medikament geben, bei dem ich nicht weiß, ob sie helfen oder zu Komplikationen führen. Auch dafür gibt es geschultes Personal. Wenn das andere machen, ist das deren Sache. Es sind ja nun mal auch Medikamente, die Nebenwirkungen haben können. Selbst die einfachsten von ihnen.

Auch im Einsatz auf einem Sanitätsdienst bekommt man das öfter zu hören. Auf einem Konzert oder einer Veranstaltung, auf der es Alkohol gibt, stehen wir und sind für Notfälle da. Diverse nicht mehr nüchterne Besucher kommen vorbei und ordern fast schon eine Kopfschmerztablette. Denen sei gesagt, dass wir sowas nicht auf Lager haben. Schon gar nicht für jeden zweiten, der zu viel getrunken hat. Ebenso wenig haben wir keine Oropax zum Ausgeben, auch nicht für Kinder, denn das ist nicht unser Job. Wenn man schon ein Kind mit auf solche Veranstaltungen mitnimmt, sollte man sich selbst vorher darum kümmern. Da hilft es auch nichts, dass wir da schräg angeguckt werden und gefragt werden warum seid ihr dann denn eigentlich da. Leider nicht dafür.

Lassen wir die Zeit weitergehen. Der Sandienst ist fast vorbei und alle sind nicht mehr ganz gehfähig. Die Option: Ich sage mir geht’s nicht gut, die behandeln mich ja und fahren mich dann nach Hause, wo ich pennen kann, ist keine Option. Natürlich helfen wir und wenn es sein muss, transportieren wir auch, allerdings nicht ins heimische Bett oder welche Adressen, da noch gerne genannt werden. Wir fahren in ein Krankenhaus um dort weitere Hilfe stellen zu können. Das machen wir nicht, weil wir langweilig oder Spießer sind, sondern der Gesundheit wegen. Klar unsere RTWs und KTWs sind manchmal auch gelb, haben aber im Gegensatz zu Taxis blaues Blinklicht auf dem Dach.

Bei dem Thema Taxis. An Wochenenden unternehmen selbst wir auch Sachen privat. Wenn es da Alkohol gibt, sind wir aber nicht diejenigen, die organisieren wie jeder nach Hause kommt. Du bist doch Sanitäter, kann ich noch fahren oder bin ich betrunken ist interessante Aufgabenstellung. Wenn man Alkohol trinkt, dann fährt man natürlich nicht, dafür muss man nicht Sanitäter sein. Auch haben wir nicht Zugriff auf das Lager um am nächsten Morgen den Kater wirkungsvoll zu bekämpfen. Da ist es halt so, dass wer feiern kann, hinterher es auch aushalten kann.

Ein weiteres Problem, das mir öfter passiert, hat mit dem bekannten Spruch „Soldatenpünktlichkeit… nur der Sanitäter kommt 7 Minuten später“ zu tun und diesen zu entkräften oder zu rechtfertigen. Wenn ich bei einem Termin zu früh bin, kommt oftmals als Scherz, warum bist du denn schon da, müsstest doch erst später kommen. Wenn ich hingegen mal später komme, wird das als ja na klar der feine Sanitäter kommt ja immer wenn schon was passiert ist. Scherze sind gut und schön, mach ich ja auch, aber das als Routine zu hören ist doch irgendwann auch ermüdend. Außerdem bin ich da privat.

Privat sollte man, wenn man nicht dauernd genervt werden möchte auch durch die Stadt laufen. Wir haben auch coole Jacken von der HiOrg, die man ähnlich zu den Werbejacken von Audi oder Hp anziehen kann. Jedoch tragen wir die Jacken nicht nur zur Werbung, sondern dann wird gleich etwas gefordert wie ah ein Sanitäter. Das passiert bei Audijacken nicht oder weniger. Oh sie haben Ahnung von Audi. Können sie mir mal den Spritverbrauch von dem sagen. Bei den HiOrgs gibt es hingegen so eine Erwartungshaltung, die nicht immer berechtigt ist.

 

Fassen wir zusammen. Klar wir helfen jedem, der unsere Hilfe braucht. Aber im Rahmen unserer Fähigkeiten und unserer Rechte oder Berechtigungen. Wir sind halt das, wofür wir geschult sind und das können wir auch. Alles andere ist halt das Gebiet für andere Spezialisten.

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