Die „Medizinische Task Force“

 

Wie spätestens seit der Veröffentlichung des neuen Zivilschutzkonzeptes bekannt ist, sind nicht nur die Bundesländer mit der notfallmedizinischen Versorgung der Bevölkerung bei Großschadenslagen befasst. Auch der Bund trifft im Rahmen des Zivilschutzes Maßnahmen, um die Bevölkerung zu schützen.

Eine wichtige Komponente dabei ist der Selbstschutz: Die Empfehlungen zur Bevorratung mit Lebensmitteln („Hamsterkäufe“) gingen sehr öffentlichkeitswirksam durch die Medien.

Eine andere Komponente ist die „Medizinische Task Force“, kurz MTF, des Bundes. Diese ist für die Dekontamination und medizinische Versorgung von einer Vielzahl von Patienten ausgelegt.

 

Entwicklung

Die Entwicklung begann mit der „Neuen Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland“, welche vom Bund und den Bundesländern im Jahr 2002 verabschiedet wurde.

Mit diesem Konzept sollte auch auf eine veränderte Bedrohungslage reagiert werden: War der Zivilschutz des Bundes bisher auf den Bevölkerungsschutz im Falle eines (atomaren) Krieges ausgerichtet, rückten nun vor allem Terrorlagen und CBNR-Gefahren in den Fokus.

Bereits in diesem Konzept wurde die Einrichtung einer Task Force angeregt. Hier lag der Fokus jedoch noch auf hochgradig spezialisiertem Personal, das in besonderen Einsatzlagen im Bereich der Analyse und Beratung eingesetzt werden sollte.

Doch auch im Bereich der Notfallmedizinischen Versorgung wurde Handlungsbedarf festgestellt und eine Einteilung in „Medizinische Versorgungsstufen“ vorgenommen.

2007 erfolgte daraufhin die Verabschiedung eines neuen Ausstattungskonzeptes für den Zivilschutz. Dies sah zum einen eine „Analytische Tasc Force“ mit Analyse- und Beratungsaufaben, zum anderen eine (notfall-)medizinische Gruppe, die „Medizinische Task Force“ (MTF) vor.

Die Auslieferung der ersten Fahrzeuge  fand 2009 statt. Geplant ist, bis 2017 alle benötigten Fahrzeuge auszuliefern.

 

Aufgabenbereiche

Die MTF soll als Komponente des Zivilschutzes im Rahmen der Medizinischen Versorgungsstufe 4 bei einem Massenanfall Verletzter, Erkrankter oder Kontaminierter besonderen Ausmaßes die notfallmedizinische Versorgung sicherstellen und eine Dekontamination ermöglichen. Dies umfasst die Behandlung vor Ort, aber auch den Transport von Verletzten.

Als Einheit des Zivilschutzes ist der originäre Einsatzbereich beschränkt auf Schadenslagen, die mit der Landesverteidigung zusammenhängen oder mehrere Bundesländer betreffen.

Im Rahmen der Kooperation von Bund und Ländern bei Zivil- und Katastrophenschutz stehen die Fahrzeuge der MTF aber auch für andere Großschadenslagen zur Verfügung.

Ein Novum in diesem Kontext ist, dass die MTF auch im Rahmen der innereuropäischen Hilfe eingesetzt werden soll, um bei entsprechend großen Schadensereignissen auch in anderen Ländern Hilfe zu leisten.

 

Ausstattung

Die MTF setzt sich zusammen aus fünf Teileinheiten: Führung, Dekontamination, Behandlung, Patiententransport und Logistik.

Der Teileinheit Führung obliegt die Führung einer MTF oder ihrer Teileinheiten im Einsatz. Diese Teileinheit besteht aus einem Kommandowagen (KdoW), besetzt mit einer Führungsgruppe. Dabei übernimmt diese Teileinheit alle anfallenden Führungsaufgaben, von der Erkundung bis zur Nachbereitung eines Einsatzes.

Zur Führungsgruppe gehören der Abteilungsführer, sein Stellvertreter und der medizinische Leiter der MTF.  Unterstützt werden diese bei ihren Aufgaben von einem Sprechfunker, einem Melder und je einem Führungsassistenten für die Teileinheiten Patiententransport, Dekontamination und Behandlung.

Ergänzend ist die Einführung eines Führungskraftwagens (FüKW) angedacht.

Die Teileinheit Dekontamination ist aktuell noch in der Planungsphase. Aufgabe dieser Teileinheit ist der Aufbau und Betrieb eines Dekon Platzes. Dieser kann, je nach Aufbau und Schadenslage, bis zu 120 Personen pro Stunde dekontaminieren. Auch eine Erstversorgung der Betroffenen sowie die Einrichtung einer Patientenablage sind möglich.

Dazu verfügt die Teileinheit über eine eigene Führung, untergebracht auf einem Mannschaftstransportwagen (MTW). Des Weiteren besteht die Teileinheit aus zwei  Gerätewagen (GW) und einem MTW zum Transport des benötigten Personals.

Auch die Teileinheit Logistik ist noch in der Entwicklung. Vorgesehen ist diese Komponente zur Versorgung von Einsatzkräften und Betroffenen. Die Versorgung umfasst dabei nicht nur Nahrung und Getränke, sondern auch Ruhe- und Sanitäranlagen.

Gebildet wird diese Teileinheit aus einem GW Logistik, besetzt mit drei Helfern.

Die Teileinheit Patiententransport soll, je nach Lage, die Erstversorgung und/oder den Transport von bis zu 12 Verletzten oder Erkrankten sicherstellen. Dazu verfügt sie über sechs Notfallkrankentransportwagen Typ B oder Viertragewagen, die für den Transport von je zwei oder vier Patienten ausgelegt sind.

Die Teileinheit Behandlung, auch als Behandlungsbereitschaft (BeB) bezeichnet, hat die Aufgabe, einen Behandlungsplatz zu unterstützen oder selbstständig aufzubauen und zu betreiben.

Darüber hinaus ist es alternativ möglich, mit Teilen der BeB eine Patientenablage, eine Unfallhilfsstelle oder eine Sichtungsstelle vor einem Krankenhaus zu errichten.

Für diese Aufgaben steht der Teileinheit Behandlung primär der Gerätewagen Sanität (GW San) zur Verfügung. Dieser wird mit von einem Staffelführer, einem Arzt und vier weiteren Helfern besetzt und bildet das Rückgrat der Teileinheit Behandlung. Ausgestattet mit einem Zelt samt Heizung, Stromgenerator und umfangreichem medizinischen Material können mit dem GW San bis zu 25 Patienten versorgt werden. Die Teileinheit Behandlung besteht aus sieben GW San.

Ergänzt wird das Material der GW San durch weiteres Material, welches auf einem GW Behandlung, besetzt mit einer weiteren Staffel, mitgeführt wird.

Weiteres Personal wird durch einen MTW herangeführt.

Die Führung der Teileinheit wird, zusammen mit weiterem Personal,  durch einen weiteren MTW befördert. Dieser MTW dient auch als Führungsstelle der Teileinheit.

Insgesamt ist die Teileinheit Behandlung mit zehn Fahrzeugen und einer Personalstärke von 66 Personen die größte Komponente der MTF.

Standorte

Insgesamt sollen 61 MTFs über das gesamte Bundesgebiet verteilt aufgestellt werden. Die Aufstellung einer MTF erfolgt dabei organisationsübergreifend und über kommunale Gebietsgrenzen hinweg.

 

Weitere Informationen bietet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf seiner Homepage.

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